Kultur : Vor dem Baulärm

CHRISTINA TILMANN

Zehn Jahre sind ein Grund zum Feiern, auch wenn am Anfang nur drei Konzerte standen.Inzwischen sind die Hofkonzerte, die die Schultheiss-Brauerei gemeinsam mit der Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH ausrichtet, auf stattliche 28 Konzerte angewachsen, rund 10 000 Besucher werden an sechs Wochenenden im Juli und August im Schmiedehof der alten Schultheiss-Brauerei in Kreuzberg und im Podewil erwartet.Zweigeteilt wie der Veranstaltungsort ist auch das Programm: Klassik und Jazz - im Podewil freitags Klassik, sonnabends Jazz, in der Schultheiss-Brauerei umgekehrt.

Feierlich eröffnet wird die Klassik-Reihe am Freitag mit dem Ensemble Oriol, das zwar das Hofkonzerte-Kriterium "Nachwuchsmusiker" inzwischen sprengt, dafür aber im letzten Jahr ebenfalls sein zehnjähriges Bestehen feiern konnte.Marie-Luise Modersohn, Solo-Oboistin des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, spielt Oboenkonzerte von Bach und Albinoni.Mit besonderer Spannung erwartet werden darf auch das Werkstattkonzert des Hans-von-Bülow-Kammerorchesters.Parallel zur Probenarbeit an Mozarts "Zauberflöte", die ab 14.August in einem Zirkuszelt hinter dem Tacheles Premiere hat, gibt es schon einmal eine musikalische Einstimmung.

Das Ensemble "Blue Noise" verwischt mit einem Konzert zum 100.Geburtstag von George Gershwin die Grenzen zwischen U- und E-Musik.Im Jazz-Sektor gibt es die "Charts" der vergangenen Jahre in neuen Zusammenstellungen."Les McCann and his magic band" eröffnen die Reihe mit einem Fest im Schmiedehof der Schultheiss-Brauerei.Etwas "romantischen" Jazz versprechen Julie und Keith Tippett mit frei improvisierten Stücken.Den Abschluß bildet Paul Rutherford mit seiner Gruppe ISKRA 1903.

Spannend für die Hofkonzerte ist vor allem aber eine Frage: Wie geht es weiter im nächsten Jahr? Nachdem das Gelände der alten Schultheiss-Brauerei Anfang dieses Jahres von Realprojekt Berlin & Co.aufgekauft wurde, wird der Schmiedehof nach Abschluß der Hofkonzerte bis 2001 zwecks Umbau in eine Baustelle verwandelt.Der bewährte Veranstaltungsort aber soll den Hofkonzerten erhalten bleiben: Gelingen die Verhandlungen mit dem Berliner Senat, kann die Berlinische Galerie in den Gewölbekeller der Schultheiss-Brauerei einziehen.Und der davor anzulegende Museumshof wäre ein idealer Ort für, nun, sagen wir, die Hofkonzerte 2000.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben