Kultur : Vor der Wahl: Krabbelkiste Bayreuth

Das Drama geht in die allerletzte Runde, und der Wahlkampf hat nun doch noch an Schärfe gewonnen. Im Wettstreit um die Leitung der Bayreuther Festspiele greift Nike Wagner ihre Cousine Katharina Wagner an. Für Katharina seien von „interessierter Seite Fakten geschaffen worden“, um „Wolfgang Wagners dynastischen Wünschen zu entsprechen“, beklagt die 63-Jährige in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Den Festspielen drohe jedoch schon jetzt ein „gewaltiger Qualitätsverlust“. Nike Wagner betont, dass es ohne ihre eigene Bewerbung überhaupt „keinen Impuls zur Veränderung“ gegeben hätte, das Festival wäre in der bestehenden „altfränkischen Kungelei“ verharrt. Katharina Wagners Idee, Wagner für Kinder aufzuführen, nennt Nike Wagner „schrecklich“. Kunstwerke sollten „verstanden, nicht erkrabbelt“ werden.

Der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele berät am Montag über die Nachfolge von Wolfgang Wagner, der das Festival mehr als ein halbes Jahrhundert lang geleitet hat. Nike Wagner bewirbt sich gemeinsam mit dem Intendanten der Pariser Oper und designierten Leiter der New York City Opera, Gérard Mortier. Katharina Wagner will die Festspielleitung zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier übernehmen. Nike Wagner wiederum hat angekündigt, gemeinsam mit Mortier für ihre Cousine Wagner-Pasquier „die Tür für ein gemeinsames Direktorium“ offen zu halten.

Monika Griefahn, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, freut sich indessen auf einen Neuanfang in Bayreuth. Die neue Leitung müsse ein neues Publikum gewinnen und auch junge Leute für die Oper begeistern, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Die Wagner-Festspiele dürften nicht nur eine elitäre Veranstaltung sein. Außerdem müsse der Kreis der Geldgeber erweitert werden, um etwa die Finanzierung von Public-Viewing-Veranstaltungen zu sichern. Griefahn glaubt, dass der Stiftungsrat schnell eine Nachfolgeregelung für Wolfgang Wagner finden wird. Vieles deute auf eine Wahl von dessen Töchtern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hin. „Zumindest gibt es ja sehr intensive Signale, dass dort dem alten Herrn ein Zugeständnis gemacht worden ist, um auch seinen Rücktritt hinzubekommen“, sagte die Politikerin. Tsp/ddp

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