Kultur : Vor Festspielbeginn: Machtkämpfe in Salzburg und Bayreuth

Eine Woche vor Beginn der beiden wichtigsten europäischen Sommerfestivals hat das Rätselraten um die anstehenden Neubesetzungen in der Leitungsebene sowohl der Bayreuther als auch der Salzburger Festspiele einen neuen Höhepunkt erreicht: Obwohl der Salzburger Intendant Gerard Mortier weiterhin an dem Entschluß festhält, seinen Vertrag nicht über das Jahr 2001 hinaus zu verlängern, bemüht sich der Kunststaatssekretär im Wiener Bundeskanzleramt, Peter Wittmann, weiterhin darum, den Intendanten zu halten. Der Salzburger Landeshauptmann (Ministerpräsident) Franz Schausberger (ÖVP) hingegen hat nichts gegen Mortiers Ausscheiden, da er die von Mortier geforderte Umstrukturierung des Salzburger Drei-Personen-Führungsmodells nicht für notwendig hält. Mortier kritisiert vor allem die mangelnde Sachkompetenz der von der Politik eingesetzten Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler. "Es muß doch nicht sein, daß eine Dame, die einen Modeladen in der Getreidegasse hat, Präsidentin der wichtigsten Festspiele der Welt ist", erklärte Mortier wiederholt. Für diese Position bedürfe es vielmehr einer Persönlichkeit vom Schlage des Ex-Bundespräsidenten Roman Herzog oder eines Philosophen wie Edward Said.Bis Monatsende soll eine Findungskommission nun über die Nachfolger Mortiers abstimmen. Schausberger forderte im österreichischen Wochenmagazin "News", der neue Intendant müsse "eine besondere Affinität zu Österreich" haben und solle "etwas mehr Salzburger Festspiele machen und nicht Festspiele in Salzburg". Für ihn kämen daher nur der Zürcher Intendant Alexander Pereira, Burgtheaterdirektor Klaus Bachler, der Regisseur Luc Bondy oder der Schauspielberater der Festspiele, Frank Baumbauer, in Frage. Mortier kommentierte die Vorstellungen des ÖVP-Ministerpräsidenten mit den Worten: "Herr Schausberger braucht keine Angst zu haben, daß ich bleiben möchte."Der Kampf zwischen progressiven und konservativen Kräften tobt derweil auch auf dem Bayreuther "Grünen Hügel": Festspielchef Wolfgang Wagner, der am 30. August 80 Jahre alt wird, hat Spekulationen zurückgewiesen, er werde bereits während der diesjährigen Festspiele abdanken. Auch im Jahre 2001, zu seinem 50. Dienstjubiläum, sei mit seinem Abgang "noch nicht zu rechnen". Gerüchte, der Dirigent Daniel Barenboim solle künftig in der Festspielleitung mitarbeiten, bezeichnete Wagner als "Quatsch". Seine Ehefrau Gudrun bestätigte unterdessen gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", daß sie sich die Übernahme der Festspielleitung durchaus zutraue. Alles, was sie bislang in Bayreuth eingebracht habe, sei "ein künstlerischer Erfolg" geworden. Sie habe "Erfahrung und auch den richtigen Riecher für das Metier". Die Entscheidung über den Nachfolger Wolfgang Wagners liegt beim 24köpfigen Stiftungsrat der Festspiele. Wagner hatte im März seinen Posten offiziell ausschreiben lassen, die Bewerbungsfrist lief Ende Juni ab. Die Wahl soll aber nach Stiftungs-Angaben frühestens im Herbst stattfinden.

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