Kultur : VOR - Sotto voce

Wer in den nächsten zwei Wochen in Berlin eines der drei Opernhäuser aufsucht, wird angenehm überrascht sein: Selten war das Durchschnittsalter der gezeigten Produktionen so gering, in der Komischen Oper beherrschen mit Puccinis Turandot (14.12.), Prokofiews Liebe zu den drei Orangen (9.12.) und Beethovens Fidelio (6.u.13.12.) die drei erfolgreichen Produktionen der letzten Saison den Spielplan.Der überraschend vielschichtige "Fidelio" ist leider eine Ausnahme unter den zahlreichen Kupfer-Inszenierungen im Berliner Opernspielplan, viele sehen so aus wie der Ring des Nibelungen an der Staatsoper (5.,6.,11.u.13.12.).Düstere Bühnenbilder und kaltes Licht aus Leuchtstoffröhren, da bleibt nur das Zuhören.Paradoxerweise kommt die älteste Inszenierung der nächsten beiden Wochen ausgerechnet aus der Staatsoper, dem Haus, das als einziges radikal mit seinen Repertoirealtlasten aufgeräumt hat: Rossinis Barbier von Sevilla (15.u.18.12.) mit dem Extrabonus des Briten Simon Keenlyside in der Titelrolle.

An der Deutschen Oper dominiert den Spielplan Andreas Homokis launige Bebilderung von Humperdincks Hänsel und Gretel (6., 9., 12., 13.u.16.12.).Mit Meyerbeers Hugenotten bietet das Haus an der Bismarckstraße aber auch die einzige Repertoirerarität von Rang (11.u.18.12.).Die stark mit dem Nachkriegsberlin kokettiernde Inszenierung von John Dew konnte bei ihrer letzten Präsentation mit Richard Leech einen Tenor aufbieten, dessen Raoul niemand vergessen wird, der ihn einmal gehört hat.In Leechs Fußstapfen wagt sich jetzt der Amerikaner Chris Merritt, der sich in den letzten Jahren vom reinen Rossini-Tenor fortentwickelt hat.Seine Valentine ist die junge Alexandra von der Weth.Ein Zusammentreffen, das Gesangskunst der Spitzenklasse verspricht - und mit Glück einen Abend, von dem man noch lange reden wird.

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