Kultur : VOR - Sotto Voce

Obwohl man es weder ihm noch seinem hehrsten Helden so recht zutrauen möchte, stammt doch das wohl reizendste Sängerinnen-Kompliment der Musikgeschichte von Richard Wagner.In der " Götterdämmerung" legt er es Siegfried in den Mund: "Seit Frauen ich singen hörte, vergaß ich der Vöglein ganz." Dem dürfte am 30.und 31.Dezember kaum etwas hinzuzufügen sein, wenn Mirella Freni und Christine Schäfer beim Silvesterkonzert des Berliner Philharmonischen Orchesters in der Philharmonie auftreten.Die große alte Dame des lyrischen Fachs und eine der interessantesten jungen Interpretinnen Seite an Seite - eine derart exquisite Gelegenheit zum Generationsvergleich bietet sich wahrscheinlich so schnell nicht wieder.

Zwei stimmlich wie optisch gleichermaßen attraktive Sängerinnen sind derzeit auch in der Deutschen Oper in Meyerbeers " Hugenotten" zu erleben: am 18., 22.und 27.12.ist Alexandra von der Weth die Margarethe von Valois, Ulrike Helzel brilliert als Page in John Dews spannender Inszenierung.Das Singen in Jungsklamotten ist leidvolles (oder genossenes) Schicksal vieler junger Mezzosopranistinnen, von Mozarts liebestollem Jüngling Cherubino bis zum "Rosenkavalier"-Octavian, auch die Helzel bildet da keine Ausnahme.An ihrem Stammhaus, der Deutschen Oper, ist sie lederbehost als Hänsel in Humperdincks Märchenoper " Hänsel und Gretel" zu erleben, auch das - bis auf die kleinere Rolle des Vaters - eine exklusive Frauensache ( 20.12.15 Uhr!).

Frauen gleich im Dutzend gibt es in den Ballettruppen der Stadt, leider in allen derzeit laufenden Produktionen nur in ausführender Position.Wem das Gehüpfe der kleinen und großen Schwäne in Tschaikowskys " Schwanensee" an der Staatsoper (23.und 28.12.) zu konservativ ist, der kann an den CanCan-Tänzerinnen in Christoph Marthalers Version der Offenbach-Operette " Pariser Leben" an der Volksbühne sein schräges Tanzvergnügen erleben (18., 21.- 23.12.).

Gleich hundertprozentig damendominiert ist das Podium am 19.12.im Saalbau Neukölln, wenn sechs Musikerinnen in der Reihe " Länderporträt" der Gedok Berlin Werke der britischen Komponistinnen Rebecca Saunders, Jennifer Fowler, Thea Musgrave, Juliana Hodkinson und Erika Fox vorstellen, die alle einen Bezug zu Deutschland haben.Ebenfalls um eine Komponistin geht es am selben Abend im Musik-Club des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt bei einem musikalisch-szenischen Abend um Fanny Hensel, die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy.Tags darauf, also am 19.12., werden dann zwei Pianistinnen im Musik-Club erwartet.Unter dem Motto "vier Hände - verrückt" wollen Christine Reumschüssel und Natascha Osterkorn dann "Klavier spielen und schauspielern".

Während Frauen als Instrumentalsolistinnen durchaus dieselben Karrierechancen haben wie Männer, sind Dirigentinnen immer noch eine Seltenheit.Manche Frauen helfen sich dadruch, daß sie einfach eigene Ensembles gründen, so wie Etta Hilsberg, die am 20.Dezember im Kammermusiksaal der Philharmonie mit ihrer Camerata Vocale die ersten drei Kantaten aus Bachs "Weihnachtsoratorium" aufführt, oder wie Katrin Scholz, ihr Kammerorchester Berlin am 25.im Schauspielhaus und 26.Dezember in der Philharmonie von der Geige aus durch ein festtägliches Wunschkonzertprogramm dirigiert.

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