Kultur : VOR - Sotto voce

Die Heerscharen heute praktizierender Konzertpianisten können nur von den Zeiten träumen, in denen man durch das meisterhafte Anschlagen von Tasten zum Massenidol werden konnte.Heute fallen selbst dem Klassikinteressierten spontan vermutlich kaum mehr als ein Halbdutzend Pianistennamen ein: Alfred Brendel, Maurizio Pollini, Martha Argerich, Kissin und Ivo Pogorelich, ein sparsam besetzter Olymp, in den Neuzugänge erst nach jahrzehntelangen Promotionanstrengungen ihrer Plattenfirmen gelangen.

Eine derjenigen, die derzeit die besten Aufstiegschancen hat, ist die Portugiesin Maria Joao Pires.Pires hat sich als empfindsame Mozart- und Chopin-Ausdeuterin durchgesetzt, ein Mozart-Konzert wird sie auch mit den Berliner Philharmonikern unter Bernhard Haitink präsentieren ( Philharmonie, 5.bis 7.Februar).

Pianisten sind zu einer zweitrangigen Erscheinung des Musikbusiness geworden - nichts zeigt das deutlicher als die meist spärlich gefüllten Klavierabende.So sind auswärtige Pianisten in dieser Stadt fast nur noch als Solisten in Orchesterkonzerten zu erleben, auch das Auftreten des von Francois-Réné Duchable findet im sicheren Rahmen eines DSO-Abonnementskonzerts statt ( Philharmonie, 31.Januar und 1.Februar).

Kürt ein Pianist Berlin zu seinem Wohnsitz, steigen seine Chancen auf einen Soloabend schnell.Fans von Igor Shukow sind oft allerdings trotzdem auf Mundpropaganda angewiesen, denn mehr und mehr meidet der russische Pianist große Konzertpodien, tritt wie seine großen Kollegen Richter und Sofronitzki in kleineren Sälen auf, oft ohne große Vorankündigung.Sein Konzert im kleinen Saal des Schauspielhauses ist eines der wenigen offiziellen, das Programm eint mit Chopin und Skriabin zwei Komponisten, die seit langem im Zentrum von Shukows Interpretenkunst stehen (30.Januar).

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