Kultur : VOR - Sotto voce

In den sechziger Jahren, als die Langspielplatte Massengut wurde und Scheiben mit Titeln wie "Festliches Barock" unverzichtbarer Bestandteil jedes zentraleuropäischen Sonntagsnachmittagskaffees waren, krönte die Phonoindustrie eine Reihe von Königen.Maurice André war der König der Trompete, Heinz Holliger herrschte über das kleine Reich der Oboe, und Jean-Pierre Rampal war der unbestrittene Souverän der Querflöte.Namen, die noch heute als Inbegriffe der virtuosen Musikalität auf ihren Instrumenten gelten, obwohl inzwischen eine neue Generation auf die Konzertpodien nachgerückt ist.Für den Flötenthron des jetzt 78jährigen Rampal gibt es derzeit zwei Anwärter, beide Franzosen, wie er: Den von der Deutschen Grammophon-Gesellschaft aufs Schild gehobenen Patrick Gallois und den bei der EMI unter Vertrag stehenden Soloflötisten der Berliner Philharmoniker Emmanuel Pahud.

Beide treten jetzt in Berlin auf, wenn auch leider nicht in einem direkten konzertanten Wettstreit, wie ihn das barocke Publikum liebte.Den Anfang macht Gallois am 18.2.mit einem reizvollen Trioprogramm im Kleinen Saal des Konzerthauses.Neben Werken von Haydn, Hummel und Martinu steht das Trio der französischen Romantikerin Louise Farrenc als besondere Rarität auf dem Programm.Gallois Mitstreiter Alban Gerhardt am Cello und die feinsinnige philippinische Pianistin Cécile Licad versprechen erstklassige Kammermusik.

Dicht auf den Fersen folgen vier Tage später Pahud und der Pianist Eric Le Sage mit einem Flöte-Klavier-Abend im Kammermusiksaal.Dem Problem der Knappheit an erstklassigem Repertoire für diese Besetzung und der Gefahr der Monotonie weichen die beiden durch klugen Programm-Mix aus: Neben Duo-Werken von Poulenc und Mozart ist jeder auch allein zu hören: Pahud mit dem aparten "Chant de Linos" von André Jolivet und Le Sage, Gewinner des Weimarer Liszt-Wettbewerbs, mit Webers herrlicher zweiter Klaviersonate (22.2.).

Ein Wettstreit, wie ihn sich große Musiker von Händel und Scarlatti bis zu den Operndiven Shirley Verrett und Grace Bumbry (die in den 80er Jahren zu einem Schausingen mit Publikumsabstimmung gegeneinander antraten) immer wieder geliefert haben, hätte sich auch am 19.2.angeboten.Zwei junge Pianisten treten an diesem Abend in Berlin auf, doch der Direktvergleich ist leider nur übers Feuilleton möglich.

Der Norweger Leif Ove Andsnes hat hier zumindest einen Reputationsvorsprung: sein letzter Berlin-Auftritt mit dem Orchester der Komischen Oper ist noch kein Jahr her.In seinem Soloprogramm im Kleinen Saal des Konzerthauses wagt er sich an zwei hochemotionale romantische "Künstler"-Stücke: Liszts "Dante"-Sonate und Robert Schumanns erste Klaviersonate.Den Schumann hat Andsnes im letzten Jahr auch auf CD eingespielt und für seinen lichten, unpathetischen Nachvollzug des Werkes von der Kritk viel Lob erhalten.

Sein Quasi-Kontrahent an diesem Abend, der Brite Leon McCawley, ist dagegen hierzulande noch ein unbeschriebenes Blatt, obwohl der Sechsundzwanzigjährige schon vor einigen Jahren den Wiener Beethoven-Wettbewerb gewann und beim Wettbewerb in Leeds, wo vor ihm Stars wie Murray Perahia und Radu Lupu triumphierten, einen zweiten Platz belegte.Sein Debütprogramm im Kammermusiksaal setzt auf Vielseitigkeit, bietet neben Chopin und Skriabin auch Beethoven und Haydn.Übrigens: Bei solchen Wettbewerben können zum Glück auch mal beide Teilnehmer gewinnen.Das war schon zu Händels Zeiten so.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben