Kultur : VOR - Sotto voce

Die Eier sind gefärbt, die Nester gerichtet, das Haus geputzt - Ostern rückt näher.Aber bevor die Suche nach den Ostereiern beginnt, ist der Karfreitag zu bewältigen, der Tag, an dem Christen auf der ganzen Welt der Kreuzigung Christi gedenken.Schmerz, Trauer, Frage und Verzweiflung des Karfreitags, aber auch Jubel und Freude des Ostersonntags erschließen sich auf sinnliche Weise in Bachs Passionsmusiken.Die Texte orientieren sich streng an der biblischen Geschichte, aber reflektieren und kommentieren das Geschehen.In Arien wird die Kreuzigung Christi interpretiert, Choräle lassen die "Zerknirschte Seele" Stellung nehmen.

Das aufwendigere und längere der beiden Werke ist die doppelchörige Matthäus-Passion, die am Karfreitag 1729 in Leipzig uraufgeführt wurde.Sie wird von der Camerata Vocale Berlin zusammen mit dem Kinderchor Canzonetta und den Prager Philharmonikern am 28.3.um 15 Uhr in der Philharmonie geboten.Und am Karfreitag, dem 2.4., um 15 Uhr ebenfalls in der Philharmonie von Rundfunkchor Berlin zusammen mit dem Rundfunk-Kinderchor sowie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin.

Noch stärker vom biblischen Text und seiner Dramatik bestimmt ist die etwas opernhaftere Johannes-Passion, die gleichzeitig von großer musikalischer Geschlossenheit ist.Sie bietet weniger interpretierende Arien als die Matthäus-Passion, aber entfaltet ihre Dramatik in den vielen Chorsätzen und Chorälen, die gewissermaßen den Rahmen für das biblische Geschehen bilden.Die Johannes-Passion kann man sich am 27.3.um 18 Uhr in der Epiphaniaskirche erleben, dargeboten von Chor und Orchester der Epiphaniaskirche unter Gottfried Matthaei.Auch der Studio-Chor Berlin e.V.hat sich dieser geistlichen Musik angenommen, jedoch in der selten zu hörenden Fassung von 1725.Am Karfreitag, dem 2.4., ist sie um 20 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie zu hören.Es spielt die Jungen Sinfonie Berlin unter der Leitung von Joachim Geiger.

Eine Rarität ist die Aufführung von Carl Heinrich Grauns "Der Tod Jesu" aus dem Jahr 1755 durch die Sing-Akademie zu Berlin unter Hans Hilsdorf mit den Berliner Symphonikern.Mit der empfindsamen Passionskantate des Hofkomponisten Friedrichs des Großem kann man sich am Gründonnerstag, den 1.4., um 20 Uhr im Berliner Dom auf den Karfreitag einstimmen.

Solchermaßen auf den Karfreitag eingestimmt, muß man auch an Ostern nicht auf musikalische Erbauung verzichten.Bieten doch Solisten, Chor und Orchester der Johanneskirche Schlachtensee am Ostersonntag, dem 4.4.um 20 Uhr im Berliner Dom das selten gespielte Osteroratorium von Johann Sebastian Bach und die bekanntere Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart.Eine Alternative bietet sich in der Philharmonie um 20 Uhr mit Gustav Mahlers zweiter, der "Auferstehungssinfonie".Sie wird vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und dem Rundfunkchor unter Peter Erckens dargeboten.

Ein kleines Bonbon für die Liebhaber östlicher Liturgie: Bei dem Konzert der Sagorsk Liturgia am 26.3.um 20 Uhr im Berliner Dom kann man sich von liturgischen Gesängen aus dem Mönchskloster verzaubern lassen.Und am Ostermontag, dem 5.4., um 20 Uhr bietet das Kammerensemble "OKTOICH" aus Wroclaw russisch-orthodoxe Ostergesänge.Da werden vielleicht sogar die Ostereier golden.

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