Kultur : VOR - Sotto voce

Wehe, ach wehe! Wieder nur Wagners Werke! "Tannhäuser" an der Deutschen Oper und gleich der ganze "Ring" an der Staatsoper - die immer wieder stolz herausposaunte Tatsachenbehauptung, nirgendwo seien so viele verschiedene Werke des Musiktheaters zu bestaunen wie in Berlin, ist da nur ein schwacher Trost.Vermutlich rührt die hohe Anzahl der in Berlin theoretisch seh- und hörbaren Opern auch nur daher, daß das Repertoire der drei Häuser völlig überaltert ist und hier Inszenierungen gepflegt werden, die man anderswo schon längst weggeschmissen hätte.Die berechtigte Forderung, statt des immensen Wagner- und Strauss-Angebots zumindest eine Oper von Franz Schreker auf die Bühne zu bringen, wird in den langen Fluren der Kulturinstitutionen wohl auch weiterhin verhallen.Dabei wären Schrekers bluttriefende Monumentalhistorien die ideale Kost ergänzung für ein "Elektra"- und "Salome"-übersättigtes Publikum.Einen Appetithappen bietet immerhin das Konzert der Kammersymphonie Berlin am 5.6.: Das 1933 entstandene Melodram "Das Weib des Intaphernes".Eine typische Schreker-Story um Sex und Grausamkeid im orientalischen Ambiente.Das - natürlich - für großes Orchester geschriebene Stück erklingt vorerst nur in einer Bearbeitung für Sprecher und Kammerorchester - die Mitwirkung von Jörg Gudzuhn wird hoffentlich auch ein paar Theaterinteressierte in den Kleinen Saal des Konzerthauses locken.Daß solche Bearbeitungen den Stilcharakter eines Werkes manchmal sogar noch klarer zur Geltung bringen können, zeigt die zweite Programmhälfte mit Gustav Mahlers "Lied von der Erde" in der Kammerfassung von Arnold Schönberg und Rainer Riehn.In den letzten Jahren hat sich diese verschlankte Version im Konzertleben zunehmend durchgesetzt - außerdem ist der Tenorpart in dieser Fassung auch unterhalb der Starebene adäquat zu besetzen.Im Konzerthaus wird Staatsopern-Tenor Endrich Wottrich den "Trunkenen im Frühling" mimen, während die großartige Iris Vermillion einem die melancholiegesättigten Töne des "Abschieds" ganz aus der Nähe in Ohr träufeln läßt.

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