Kultur : Vorfreudiges

Ivan Fischers erste Saison beim Konzerthausorchester.

Es weht Fischer-Wind durchs Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Als artist in residence wird Julia Fischer in der nächsten Saison zehn Mal zu Gast sein, als Geigensolistin wie auch als Kammermusik-Pianistin. Und Ivan Fischer – mit der doppelt begabten Münchnerin weder verwandt noch verschwägert – kann 20102/13 endlich sein Amt als Chefdirigent beim Konzerthausorchester antreten. Lange hat Intendant Sebastian Nordmann dafür gekämpft, den 62-jährigen Ungarn nach Berlin zu holen. Nun ist die Vorfreude bei den Musikern groß – und die Erwartungshaltung beim verwöhnten Hauptstadt-Publikum nicht minder.

Als Erstes hat Fischer den Konzertsaal „eingestimmt“, also mit der Aufstellung der Instrumentalisten experimentiert, bis sein Idealklang erreicht war: Nun sitzen die Streicher ein wenig erhöht, damit sie mehr Glanz haben, die Kontrabässe können sich an der hinteren Bühnenwand volltönig entfalten. Das Blech wiederum wurde auseinandergesetzt, so dass es nicht mehr den Holzbläsern direkt ins Genick tutet. Bereits am 18. August wird Fischer einen Saison-Frühstart hinlegen, mit Brahms, Dvobák sowie einer Uraufführung von Detlev Glanert: Ein Programm, das die Maximen des Maestro widerspiegelt – den Kanon zu pflegen und gleichzeitig Raum zu ermöglichen für Kreativität.

Der neue Chef möchte in Berlin als Menschenfischer wirken: Indem er Begeisterung sät für die Stücke, die ihm am Herzen liegen (vor allem Mozart und Musik der Romantik), und außerdem Gelegenheiten schafft, bei denen Schüler und Studenten ungezwungen mit Klassik in Berührung kommen können: Künftig sind seine Generalproben für diese Gruppen kostenlos. Beim Beethoven-Marathon am 10. November will Fischer zusammen mit drei Orchestern, zwei Dirigtentenkollegen, Hochschulstudenten und 17 Solisten schließlich alle Facetten des kantigen Komponistencharakters ausleuchten (Infos: www.konzerthaus.de). F. H.

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