Kultur : Vorgebucht

Im Aufwind: Übersetzer gewinnen 2005 vor Gericht

Jörg Plath

Für literarische Übersetzer war es ein gutes Jahr. Sieben Gerichtsurteile von 2005 bestätigen ihnen, dass sie von Buchverlagen nicht angemessen honoriert werden. So steht es zwar schon in der Begründung des von Medienunternehmen bekämpften Urhebervertragsrechts, mit dem die Bundesregierung 2002 die Stellung der Übersetzer und anderer Kreativer wie Autoren, Fotografen, Musiker, Komponisten, Regisseure stärkte. Doch die Verhandlungen mit den Buchverlegern über die vom Gesetz vorgesehenen Vergütungsregeln, die einem Tarifvertrag ähneln, endeten ergebnislos. Um ihre Ansprüche nicht verjähren zu lassen, waren einige Übersetzer deshalb vor Gericht gezogen.

Nun haben ihnen Landgerichte in München und Berlin durchweg Nachbesserungen zugebilligt. Am Verkauf der Bücher sollen sie mit bis zu zwei Prozent des Ladenpreises beteiligt werden, an den so genannten Nebenrechten – für Verwertungen als Film, Taschen- oder Hörbuch –, die sich Autor und Verlag bisher teilen, mit 25 Prozent. Uneins sind sich die Gerichte, ob die Zahlungen zu den Seitenhonoraren hinzukommen sollen oder mit ihnen verrechnet werden.

Beim Verband der Übersetzer ist man zufrieden. Die Buchverleger aber, deren Umsätze sich nach vier Jahren Rezession leicht erholen, sind alarmiert, auch wenn die Urteile noch nicht rechtskräftig sind. Sie wollen bis zum Bundesgerichtshof gehen, weil höhere Übersetzerhonorare beinahe alle Übertragungen in die Verlustzone drücken würden. Die Folge: weniger Übersetzungen. Von „Pyrrhussiegen“ der Kläger spricht daher Christian Sprang, Justitiar des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, und beklagt eine „erschütternde Marktferne“ der Richter.

Für besonders prekär hält Sprang die Nebenrechtsbeteiligung. Ein Konzernverlag, der das gebundene Buch im eigenen Haus als Taschen- oder Hörbuch verwerte, müsse nämlich nicht sie, sondern nur zwei Prozent je verkauftem Exemplar bezahlen. Nur kleinere oder mittlere Verlage, die die Nebenrechte verkaufen und dringend auf sie angewiesen seien, müssten 25 Prozent abtreten. Die Klausel begünstige Verlagsriesen. Der Münchner Urheberrechtsanwalt Peter Beisler, der mehrere Übersetzer in laufenden Verfahren betreut, widerspricht: Der Verlag erhalte für Nebenrechte 8 bis 10 Prozent Lizenzgebühren. 25 Prozent davon entsprächen den 2 bis 2,5 Prozent Absatzbeteiligung.

Christian Sprang weiß von verschiedenen Krisenszenarien. Einige Verlage planten, Übersetzer fest anzustellen oder vom Originalverlag auch die Übertragung zu erwerben – der Übersetzer arbeitet dann zwar hierzulande, unterliegt aber nicht deutschem Recht. Verleger Gert Frederking will österreichische oder schweizerische Übersetzer beauftragen. Doch das Urhebervertragsrecht schreibt die Gleichbehandlung von Übersetzern im Ausland vor, sagt Peter Beisler. Er empfiehlt, bei den Lizenzen zu sparen: „Die ausländischen Autoren haben ihre Bücher doch zu Hause meist gut verkauft. Übersetzungen sind für sie ein Zusatzgeschäft.“

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