• Vorhang auf für die Berliner Schrippe „Aspen Berlin Film Shorts“: Wenn eine Kurzfilmgala zur Farce wird

Kultur : Vorhang auf für die Berliner Schrippe „Aspen Berlin Film Shorts“: Wenn eine Kurzfilmgala zur Farce wird

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„So sorry!“ waren sie am Ende alle. Dabei hatte die Gala zur Preisverleihung des Kurzfilmwettbewerbs „Aspen Berlin Film Shorts“ vor der Alten Nationalgalerie durchaus Neugier geweckt. Junge Filmemacher waren aufgerufen, sich in einem dreiminütigen Beitrag mit dem transatlantischen Verhältnis auseinander zu setzen: „Amerika in Berlin“ lautete das Motto. Florian Gallenberger, der für seinen Kurzfilm „Quiero Ser – Gestohlene Träume“ im letzten Jahr einen Oscar erhielt – hatte aus 50 Einsendungen zehn ausgewählt. Nun kürte eine Zuschauer-Jury am vergangenen Donnerstag drei Gewinner.

Der im Programm angekündigte interaktive Abend mit Filmen, Musik und Kabarett geriet jedoch leider zur Farce. Und: Moderator Ron Williams hatte sich seine Aufgabe offenbar leichter vorgestellt. Er irrte unwillig auf der Bühne umher und überbrückte mit halber Kraft die Pausen, die das Programm zerpflückten. Dass in der ersten Staffel statt der angekündigten fünf Filme nur vier gezeigt wurden, entging Williams. Zwei Filme wurden wegen einer technischen Störung erst gar nicht vorgeführt – eine dann doch ärgerliche Panne. Umso lobenswerter der Auftritt von Florian Gallenberger, der zum Ausgleich spontan einen Trostpreis von 500 Euro versprach. Die Zuschauer versanken in ihren Liegestühlen.

Mancher Beitrag blieb wegen der schlechten Tonqualität unverständlich. Ein Mitarbeiter des Aspen Instituts versuchte, den Abend wenigstens einigermaßen über die Bühne zu bringen und erklärte dem Publikum kurz vor Schluss noch einmal den Inhalt der Kurzfilme.

Sieger des Wettbewerbs wurde Oliver Lock mit seinem mit Abstand besten Beitrag „Der Berliner und die Schrippe“ (2500 Euro). Berliner oder nicht Berliner, fragt sich darin ein animierter Pfannkuchen, woraufhin ihn eine erzürnte Schrippe in eine Bratpfanne haut. Ergebnis: Ein Amerikaner! Im Hintergrund hört man die Stimme von J.F.Kennedy: „Ich bin ein Berliner.“ Eine zuckrig-originelle Umsetzung des Themas.

Oliver Lock kann sich außerdem bald in den USA zu neuen Filmen inspirieren lassen und neue Backwaren testen – er gewann einen Kurztrip nach New York. Den zweiten Preis und damit 2000 Euro erhielt Sven Scholz für seinen Film „Big Bubbles Berlin“, in dem er US-Präsident George W. Bush während seines Berlin-Besuchs mit einem Busch auf dem Kopf durch die Hauptstadt streifen lässt. Der dritte Preis, der mit einem Preisgeld von 1000 Euro dotiert ist, ging an Amelia Seymour. Die Regisseurin legte mit „Hula Hoopsala“ eine hüftschwingende Hommage an die amerikanische Errungenschaft des Hula Hoop-Reifens vor. Blass wie eine Berliner Schrippe wirkten dagegen die übrigen Beiträge, die sich weder kritisch noch fundiert noch originell mit dem transatlantischen Dialog befassten. Schade. Dorte Hunecke

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