Kultur : Vorschau: All That Jazz

Bela Fleck & the Flecktones spielen im Quasimo

Ganz nebenbei wird in diesen Tagen eines der größten Geheimnisse der Jazzgeschichte gelüftet: Dass Cannonball Adderley ausgerechnet einem Pianisten aus Wien seine großen Hits verdankte und Miles Davis eigentlich nie so recht wahrhaben wollte, dass "In A Silent Way" eine Komposition von Joe Zawinul ist, das wussten wir schon. Aber jetzt wissen wir endlich, wieso der Mann so ungemein kreativ ist. Nicht etwa, weil er dem Wiener Mief entkam und sich mit der afroamerikanischen Community verbündete: Zawinul sitzt auf der Brooklyn Bridge, trinkt Kombucha und komponiert. Wer es nicht glaubt, lese das Buch "In A Silent Way: A Portrait of Joe Zawinul" von Brian Glasser (Sanctuary Publishing). Am Mittwoch wird der Keyboarder in Wien für sein Album "Mauthausen - Vom großen Sterben hören" (ESC) ausgezeichnet. Diese Collage aus Keyboardklängen und Textpassagen aus Häftlingserinnerungen war ein Kompositionsauftrag, den Zawinul von den Überlebenden des größten österreichischen KZs erhalten hatte. Für seine aktuelle CD "This Is What I Do" hat der Saxofonist Sonny Rollinsden Titel "Salvador" komponiert. Salvador ist die Hauptstadt Bahias, jener Region Brasiliens, wohin einst viele Sklaven verschleppt wurden und wo die afrikanische Tradition bis heute bewahrt wird. Am Dienstag spielt der siebzigjährige Rollins, der nur selten Konzerte gibt, in Köln, am Sonntag in Stuttgart.

Für seine aktuelle CD "Outbound" wurde der Banjo-Spieler und Jam-Künstler Bela Fleck jüngst erst mit einem Grammy ausgezeichnet. Jam ist ein soziales Phänomen made in USA, eine alternative Gemeinschaft auf der Suche nach Tapes und Authentizität. Jam ist auch der Glaube an das Kreativitätspotential der Amateure: Geh auf die Bühne und tu es. Jam-Bands sind Musikerkollektive, die vor allem laut und lang improvisieren. Musikalisch gesehen ist Jam eine völlig obskure Mischung aus Rock, Funk, Bluegrass und HipHop, die eben nicht additiv vermanscht wird, sondern nebeneinander besteht. Jam beinhaltet die Autonomie der Stile und die Dominanz der Fans. Dass die Musiker ihren Fans ausdrücklich erlauben, ihre Konzerte mitzuschneiden und via Internet weiterzuverbreiten, gehört zu den Besonderheiten von Jam.

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