Kultur : Vorschau: All That Jazz

Der Club ist gerettet. Nick (Robert De Niro) hat ganz zum Schluss seiner Karriere noch mal einen guten Schnitt gemacht. Auch wenn die Preise, die in diesem Film verhandelt werden - Nick rechnet, dass er sechs Millionen Dollar braucht, um seinen Ruhestand zu finanzieren und den Club zu halten - hoch sind. "The Score" ist Kino gegen das Clubsterben. Während es um den Live-Act Cassandra Wilson in jüngster Zeit sehr ruhig geworden ist, in "The Score" ist sie zumindest kurz auf der Leinwand zu sehen. Auch der Singer/Songwriter Mose Allison, ebenfalls Blue-Note-Recording-Artist, tritt kurz in Nicks Club auf und singt einen seiner vielen Songs, die man hier kaum kennt, weil man dafür wesentlich besser Amerikanisch verstehen müsste als sonst. Aber Nick kann natürlich beides, Amerikanisch und Französisch, schließlich liegt sein Club im kanadischen Montreal. Und wenn man genau hinhört, gibt es auch im Hintergrund immer wieder Jazz, von Cannonball Adderley, von Miles Davis, alte Sachen aus dem Blue-Note- und Capitol-Katalog, beide heute zu EMI gehörig.

Im Abspann gibt es auch noch einen Song mit Diana Krall, dem Superstar vom Konkurrenzlabel Verve. Ihr entgeht man in diesen Tagen ja eh nur schwer, die Promoaktivitäten für ihre neue CD, "The Look of Love", laufen schon seit Monaten auf Hochtouren, in zwei Wochen beginnt dann ihr neuer Run auf mehr und noch mehr Platin. Doch in den real existierenden Clubs trifft man heute weder Krall noch Wilson.

New York ist ärmer geworden, seitdem das "Sweet Basil" geschlossen wurde. Und schon stehen zwei weitere Clubs vor dem Aus, "Iridium" und "The Jazz Standard". Angesichts solcher Vorgaben erscheinen die Mitschnitte aus dem "Birdland", die unter www.gmn.com zum Anhören und Ansehen bereitstehen, fast schon wie Daten aus einer anderen Zeit. Bis Freitag können Sie dort die Band des einstigen Miles-Davis-Schlagzeugers Jimmy Cobb anschauen, der schon bei "Kind of Blue" dabei war. Cobbs Band heißt Mob, und der Website bietet auch ein Interview mit Cobb, in dem er über seine Zeit mit Cannonball Adderley spricht, über Miles, die Zukunft des Jazz und seinen Gitarristen Peter Bernstein.

Mit dem Ende der Ferienzeit starten endlich die Berliner Clubs in die neue Saison. Da gibt es auf den ersten Blick keine aufregenden News - oder ist das schon eine gute Nachricht? Das Schlot setzt weiterhin auf Session und verlässliche Größen, heute spielt dort das Rolf von Nordenskjöld Orchestra (Beginn 22 Uhr). Berliner Prominenz auch im Badenschen Hof dort spielt der Gitarrist Coco Schumann zum Saisonauftakt am Freitag und Samstag, jeweils ab 21 Uhr. Session und Berliner Szene bestimmen weiterhin den Low Budget Kurs beim einstigen King unter den Clubs, die international renommierte Namen aus der Welt des Jazz sind im Quasimodo sukzessive aus dem Programm gefallen. Was würden Dizzy Gillespie oder Don Cherry, die bis kurz vor ihrem Tod ja noch in dem legendären Charlottenburger Kellerclub auftraten, wohl zu solch uncoolen News sagen?

Auch im b-flat setzt man auf Session, Nachwuchs und Novitäten, doch wieviel Session und Record Release Gigs verträgt diese Stadt wirklich? Lediglich das A-Trane tanzt mal wieder aus der Reihe, hat jetzt sogar eine Free-Jazz-Reihe ins Programm genommen. Unter dem Titel "Visionen" gibt es dann einmal im Monat frei improvisierte Musik unter Leitung des Sopransaxofonisten Harry Sjöström, Reservierung für das erste Date am 26. September wird dringendst empfohlen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar