Kultur : Vorschau: Schreibwaren

Leipzig liest, heißt es vom 21. bis zum 24. März, und Berlin darf mitlesen. Denn viele Autoren, die von den Verlagen zur Leipziger Buchmesse eingeladen werden, machen hier Station.

Zu dem Staraufgebot gesellen sich noch zwei einheimische Matadore. Christa Wolfs öffentliches Leben hat Jörg Magenau aufgeschrieben als eine "Chronik fortgesetzter Verabschiedungen" ohne endgültigen Abschied von der DDR. Die Schriftstellerin, die in Leipzig mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet wird, steht dieser Biografie offenbar wohlwollend gegenüber: Sie wird von ihrer eigenen Buchhändlerin in der Kulturbrauerei präsentiert (Alte Kantine 19.3., 20 Uhr).

Am selben Abend geht Felicitas Hoppe im Literarischen Colloquium (20 Uhr) vor Anker. Mit dem Preisgeld für ihr erstes Buch hat sie sich einen Traum erfüllt, eine Weltumrundung per Schiff ("Pigafetta"). Seitdem reist sie durch die Weltgeschichte, und Liebhaber ihres knappen, skurrilen Tons sind auf unregelmäßige Positionsmeldungen in Zeitungen angewiesen. Nun liegt ein Ritterroman vor. Ja, ein Ritterroman!

Das legt die Frage nahe: Wird im Ausland exotischer erzählt? "In Amerika" vielleicht? Dorthin wandert 1870 eine polnische Schauspielerin mit Freunden aus, gründet in Kalifornien eine Kommune, scheitert und beginnt eine neue Bühnenkarriere. In der Kunst lässt Susan Sontags historischer Roman die Heimatlosigkeit enden (Haus der Kulturen der Welt, 21.3., 20 Uhr).

Diese Kunstreligion ist nun nicht sehr exotisch, sie kennt sogar Feiertage: Den "Welttag der Poesie" begehen in mitteleuropäischer Vielstimmigkeit Mila Haugova, Petr Borkovec, Istvan Vörös und Christian Steinbrecher (Literaturwerkstatt, Kulturbrauerei, 21.3., 20 Uhr).

Vielleicht erzählen Ägypter exotischer? Gamal Al-Ghitani und Ibrahim Aslan, die bekanntesten Autoren der auf Nagib Machfuz folgenden Generation, schildern in "Buch der Schicksale" und "Der Ibis" die 70-er Jahre, als Sadat sein Land gegenüber dem Westen öffnete und die schmale Mittelschicht in wirtschaftliche Nöte geriet (Goethe Institut, 22.3., 20 Uhr).

Klingt eigentlich recht vertraut. Also blicken wir nach England, wo Ken Adam die Bauten entwarf, in denen James Bond die Welt rettete. Oder nach Hollywood, wo er Dr. Seltsams Liebe zu einer Bombe ein Zuhause gab. Sein Vater Saul Adam besaß einst an der Ecke Friedrichstraße/Leipziger Straße ein Sportkaufhaus, an dessen Giebel seine Initialen SA prangten. Nicht lange. Ken Adam unterhält sich nach der Aufführung von "James Bond OO7 jagt Dr. No" mit seinem Biografen Alexander Smoltczyk (Delphi, 24.3., 12 Uhr).

Letzte Station: Ungarn. Auf den Essayisten László Földenyi, der über Kleist so klug wie über das Schweißtuch der Veronika oder Goya schreibt und spricht, darf man gespannt sein. Mit ihm läutet das Ungarische Kulturinstitut nach gutem, nicht allzu altem Brauch am 25.3. das Ende der Buchmesse ein (19 Uhr). Dann ist es geschafft: Leipzig lesen lassen - und Leipzig lassen.

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