Kultur : Vorschau: Sotto voce

Rechnen wir lieber gar nicht erst nach, wie oft Hans Werner Henzes "König Hirsch" an der Komischen Oper nun tatsächlich stattgefunden hat. Die Chance, das Stück zu hören, war jedenfalls von der Premiere im Oktober 1998 an reichlich gering: Da auf das kostspielige Proben mit doppelter Besetzung verzichtet worden war, stellte jeder Krankheitsfall in der Sängerriege immer sofort die ganze Aufführung in Frage - Einspringer von außerhalb waren für das selten gespielte Stück kurzfristig nur schwer aufzutreiben. Angesichts der grassierenden Grippe- und Erkältungswelle (der Konzerthusterpegel ist derzeit so hoch wie selten) hätte es da auch keiner großen Prophetengaben bedurft, um im Voraus zu sagen, dass auch die für diese Saison angesetzten Vorstellungen wieder ins Wasser fallen: Statt der Henze-Rarität steht am Montag also wieder einmal das vertraute "Keine Vorstellung" auf dem Spielplan. Ist ehrlich gesagt auch gar nicht so schlimm, denn Harry Kupfers schwer kitschlastige Umsetzung zeigte die Komische Oper von ihrer schlechtesten Seite - und wer will die schon sehen?

Viel Ausweichmöglichkeiten haben diejenigen, die sich auf einen Klassik-Abend eingestellt hatten, am Montag allerdings nicht - während sich die Veranstaltungen am Wochenende ballen, ist der Wochenanfang nach wie vor eher mau. Vielleicht wäre es das beste, das Häuflein enttäuschter "Hirsch"- Gänger einfach per Bus-Shuttle zur Deutschen Oper herüberzufahren, wo Götz Friedrichs Inszenierung von Puccinis "Turandot" in ihre letzte Runde geht, bevor die auf "Metropolis" getrimmten Kulissen in den Schredder wandern. Die hartherzige Chinesenprinzessin singt diesmal Wagner-Heroine Gabriele Schnaut - mit leichtem Zähneknirschen. Denn wie Schnaut einmal im Interview sagte: "Als Turandot singt man sich den Arsch auf, und den ganzen Beifall kriegt dann doch die Liù...". Tun wir was dagegen! (2. und 4.4.)

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