Kultur : Vorschau: Sotto voce

Fast lesen sich die Konzertprogramme des Rundfunk-Sinfonieorchesters derzeit wie eine Kampfansage: Statt kleinlaut hinzunehmen, dass sie unter die magische 100-Mann-Grenze heruntergeschmolzen werden sollen, wollen die Musiker erst recht beweisen, dass sie das große Repertoire genauso gut spielen können wie die Berliner Konkurrenz. Mahlers Zehnte zum Beispiel: Die abendfüllende Cooke-Version hatte in Berlin zuletzt Simon Rattle aufgeführt, jetzt wagt sich das RSB im Konzerthaus mit dem ehemaligen Rattle-Assistenten Daniel Harding an den Achttausender und bietet dem 26-jährigen Jungstar zugleich die Chance, die Scharte seines etwas verunglückten Philharmoniker-Konzerts vom März auszuwetzen (27./28. 4., bereits ausverkauft). Mit Mahler hätte das Orchester vermutlich sogar die Philharmonie füllen können - würde da nicht zeitgleich Nikolaus Harnoncourt mit den Philharmonikern seinen Geist sprühen lassen. Es ist übrigens kein Wunder, dass bei acht Orchestern und zwei Konzertsälen vor allem das Gerangel um die Philharmonie immer größer wird. Den Philharmonikern als Hausherrn ist es freilich nicht zu verdenken, dass sie mit dem Top-Seller Harnoncourt die große Halle füllen wollen und mit drei Terminen gleich das ganze Wochenende belegen. Chancen, dort aufzutreten, hat das RSB allenfalls unter der Woche. Für das nächste Konzert mit Michail Jurowski konnten sie immerhin den Donnerstag heraussschlagen. Die Kombination von Szymanowskis archaisierendem "Stabat mater" mit Rachmaninows "Glocken" und Ravels "Daphnis"-Suite ist spektakulär - und in der Philharmonie bestens aufgehoben (4. 5.).

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