Kultur : Vorschau: Sotto voce

Cura! Seiffert! Carrrreras! Fassungslos blicken wir auf die Starparade, die sich in dieser Woche auf Berlins Freilichtbühnen die Mikros in die Hand gibt und fragen uns, warum unter dem Etikett Open Air möglich ist, was die Opernhäuser in der überdachten Saison nicht hinkriegen. Denn zugegeben, auch wenn die CDs von José Cura unter Opernfans eher besorgtes Stirnrunzeln und den Beruhigungsgriff zu alten Domingo- oder Ramon-Vinay-Aufnahmen auslösen - gehört hätte man den gehypten argentinischen Supertenor dennoch gerne einmal in einer richtigen Full-length-Oper, am liebsten in seiner Paraderolle, Verdis Otello. Die Bits-and-pieces-Konzerte unter freiem Himmel sind da nur ein Trostpflaster: Was sagt schon ein Drei-Minuten-Ausschnitt aus "Otello" oder "Troubadour" darüber aus, zu welcher Form ein Sänger in einer Aufführung auflaufen kann? Den Berlinern bleibt freilich vorerst keine andere Wahl als mit Curas Auftritt auf dem Gendarmenmarkt vorlieb zu nehmen und darauf zu hoffen, dass es dabei nicht bleiben wird.

Zumal man sich am Samstag auch noch zwischen den beiden tenoralen Monats-Highlights entscheiden muss: Genau parallel zu Curas Arien-Show tritt in der Waldbühne Peter Seiffert bei der open Air Gala der Komischen Oper auf: Seit fünfzehn Jahren der weitgehend unangefochtene Herrscher im deutschen Tenorreich und Erbe einer Tradition, die von Marcel Wittrisch über Rudolf Schock bis zu Rene Kollo reicht. Wie diese bewegt sich auch Seiffert selbstverständlich zwischen den Genres, singt "Land des Lächelns" genauso wie "Lohengrin" und "Parsifal". Für die regelmäßigen Besucher der Komischen Oper ist es allerdings eher ein Abschiedskonzert: nicht nur von Chefdirigent Yakov Kreizberg, sondern auch von Hausstar Noemi Nadelmann. Genauer gesagt von Nadelmanns erfolgreichster Rolle an der Komischen Oper, der "Traviata". Die gibt es künftig nur noch an der Deutschen Oper zu hören - auf italienisch statt wie bisher auf deutsch. "Addio del passato!".

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