Kultur : Vorschau: Sotto voce

Die orangefarbenen Plakate an den U-Bahn-Haltestellen bringen einen unweigerlich ins Grübeln: "Der männliche und der weibliche Beethoven". Sollte uns da bisher etwa Wesentliches entgangen sein? Haben wir uns die Frage überhaupt je gestellt, ob etwa die Musik Mozarts weiblicher ist als die von Haydn, ob Händels Opern nicht irgendwie schwul klingen und Wagners Musikdramen die Produkte eines Sexbesessenen sind? Im Grunde sind wir damit natürlich schon mittendrin in einem ganzen Fragenkomplex, den die einwöchige HdK-Veranstaltungsreihe ab Montag klären will. Denn auch wenn es erstmal ja nur um Beethoven gehen soll, werden die Symposien und Podiumsdiskussionen kaum darum herumkommen, die Sache grundsätzlicher zu fassen.

Je nun, erstmal treten ab Montag ohnehin vier Frauen an, "weibliche" Beethoven zu demonstrieren, und die Meriten, die das New Yorker Colorado Quartet bislang gesammelt hat (u.a. der Gewinn des renommierten Quartett-Wettbewerbs von Banff) geben Anlass zur Hoffnung, dass dieser Zyklus der gesamten Streichquartette an fünf Abenden im Konzertsaal Bundesallee der HdK auch guter Beethoven sein wird. Und darauf kommt es doch eigentlich an.

Für die weitere Fassung des Grundthemas stehen daneben nicht nur Vorträge wie "Funken aus dem Geiste - Komponieren für Frauen" (Donnerstag, 15 Uhr), sondern auch ein Konzert der Kammersymphonie Berlin unter der Leitung von Peter Bruns mit Werken von vier Komponistinnen des 19. Jahrhunderts: Neben der bekannten Fanny Hensel tragen die Auserkorenen die Namen Luise Adolpha Le Beau, Emilie Mayer und Louise Farrenc (Mittwoch 20 Uhr, Konzertsaal Bundesallee). Die Köpfe heiß reden kann man sich über das Thema sowieso, und wer tapfer im Probensaal der HdK (Fasanenstraße 1b) Vorträge über Themen wie "Beethoven-Interpretationen durch Pianistinnen" und "Beethoven für Schulkinder" angehört hat, wird genug Fragen und Argumente gesammelt haben, um sich beim abschließenden Round-Table-Gespräch am Samstag, den 3. 11., das von Tagesspiegel-Redakteurin Christine Lemke-Matwey moderiert wird, kräftig mit einzumischen.

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