Kultur : Vorschau: Sotto voce

Wien hat geich zwei, Frankfurt hat eine, und selbst das sonst eher peripher bedeutsame Mannheim kann damit protzen, dass sein Name durch den Begriff einer Schule in den kulturhistorischen Adelsstand gehoben wurde. Und Berlin? Bislang war da nichts, schändlicherweise - nachdem der musikalisch heillos konservative Flötenbläser-Fritz vor 250 Jahren die Chance vertan hatte, Berlin an die Spitze der Sturm-und-Drang-Bewegung zu setzen.

Doch dieser unwürdige, kulturprovinzielle Zustand ist endlich vorbei: Die "Berliner Schule" ist proklamiert! Zwar handelt es sich dabei nur um den eher überschaubaren Zeitraum von acht Jahren, aber in denen lässt sich ja eine Menge lernen. Genau gesagt, handelt es sich um die Zeit zwischen 1925 und 1933, in denen Arnold Schönberg eine Kompositionsklasse an der Preußischen Akademie der Künste leitete. Werdende Tonsetzer aus aller Welt lernten damals hier das Zwölftonalphabet: Der Grieche Nikos Skalkottas, der Spanier Roberto Gerhard, der Schweizer Alfred Keller und der Deutsche Norbert von Hannenheim beispielsweise, andere, wie der Pianist-Komponist Artur Schnabel, wurden von Schönbergs Kompositionstechnik wesentlich beeinflusst.

Dass die Klasse jetzt posthum zur Schule vergrößert wurde, kommt als Mittel zum guten Zweck allerdings gleich in doppelter Hinsicht gelegen: Einmal lässt sich durch die Fokusverlagerung auf die Schüler die Scharte halbwegs auswetzen, dass der Schönberg-Nachlass doch nach Wien gewandert ist, und dann ist durch das beharrliche Schönberg-Spielen in den Konzertsälen in den letzten Jahren die Neugier auf das Schönberg-Umfeld gewachsen. Die Skalkottas-Initiative des Konzerthauses und der Schnabel-Schwerpunkt der letzten Festwochen präsentierten vor nicht allzu langer Zeit schon zwei der "Klassenbesten", an diesem Wochenende steigt nun an der Akademie der Künste das große Klassenfest. Tagsüber laufen Vorträge und Lectures mit Musik, abends Konzerte: Freitag ein Quartettabend, bei dem drei Quartette Hannenheims im Zentrum stehen, Samstag ein Orchesterkonzert mit dem Ensemble Oriol, und Sonntag ein bunter Kammermusikabend.

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