Kultur : Vorschau: Sotto voce

Das ist doch einmal richtig klasse: Während das Gezerre um die BVG-Tarife wohl noch bis in alle Ewigkeiten weitergehen wird und die Wahlversprechen einer drastischen Preissenkung nach einem Wahlsieg immer als erstes wieder unter den Tisch gekehrt werden, zeigt die Kultur, wie man es richtig macht. Preise runter - und zwar drastisch! Das ist an der Komischen Oper seit November die Devise. Eine Woche im Voraus gibt es alle Tickets für die Vorstellungen der verkaufsschwächeren Tage Montag bis Donnerstag zum halben Preis. Und zwar auch per Telefon und Internet bestellbar. Eine mutige Entscheidung, die freilich nicht ganz aus heiterem Himmel kommt. Die bisherigen Dumping-Aktionen der Komischen Oper zum Saisonende waren ein durchschlagender Erfolg und rechneten sich sogar - selbst "schwierige" Stücke wie Aribert Reimanns "Bernarda Albas Haus" fanden vor vollen Rängen statt. Und bewiesen wurde dabei auch, dass es in dieser Stadt durchaus ein Publikum für Oper gibt. Nur eben eines, das sich die Normalpreise von immerhin bis zu 115 Mark pro Karte nicht leisten kann.

Zum halben Preis ist die Versuchung natürlich doppelt so groß, sich die besten Inszenierungen des Hauses auch noch ein zweites oder drittes Mal anzuschauen: Etwa gleich Montag Verdis "Falstaff", über den hier schon sattsam Lob ausgeschüttet wurde. Der zweite Verdi im Wochenangebot, die "Rigoletto"-Inszenierung des Cottbusser Opernchefs Martin Schüler am Mittwoch, ist leider etwas mau geraten: Die Idee, die Narrentragödie auf einem Luxus-Liner spielen zu lassen, wirkt ziemlich gezwungen, das halb geglückte Resultat hinterlässt einen ähnlich unbefriedigenden Eindruck wie Uwe Eric Laufenbergs Version von Mussorgskis "Boris Godunow", die am Dienstag auf dem Programm steht. Aber gerade bei sochen Wackel-Kandidaten ist das Sonderangebot natürlich die Gelegenheit, sich ein eigenes Bild zu machen, ohne sich über eine Fehlinvestition ärgern zu müssen: Die billigsten Karten kosten acht Mark! Und gelten sogar noch als BVG-Fahrscheine. Was bedeutet, dass sie in Wirklichkeit sogar ganz umsonst sind. Denn schon zwei U-Bahn-Tickets sind ja teurer als die Opernkarte. Zumindest bis zur Senkung der BVG-Tarife. Wenn die jemals kommen sollte.

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