Kultur : Vorschau: Sotto voce

Ein Berliner Großstadtmythos besagt, dass die Philharmonie in der Neujahrsnacht mit Wasser aus dem Jungbrunnen gewischt wird. Woher die Tradition auch gekommen ist: In der Tat geben sich die Nachwuchsensembles zu Jahresbeginn dort die Klinke in die Hand. Emotional Enteisendes aus Russland bietet das Jeunesses Musicales Weltorchester am 7. 1. mit Tschaikowskis Violinkonzert und Schostakowitschs 11. Sinfonie. Dann debütiert auch Alexander Vedernikow in Berlin: Er will künftig als Musikchef des Moskauer Bolschoi-Theaters von sich Reden machen. Schon am Sonntag, den 6. 1., wird der Saal von der Deutsch-Skandinavischen Jugendphilharmonie vorgewärmt. Neben dem kühlen Humor von Carl Nielsens fünfter Sinfonie gibt es Per Norgards "Twilight" zu hören, "angenehme neue Musik", wie die Veranstalter versichern, mit ganz unnordischer Congabegleitung obendrein.

Die ständig steigenden Ambitionen der Jungen Sinfonie Berlin, die am 9. 1. in die heilige Halle einzieht, erinnern an das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Doch bisher ist das Märchen für Marc Piollets sagenhaft motiviertes Ensemble jedes Jahr gut ausgegangen. Diesmal wagt man sich an Mahlers monumentale dritte Sinfonie.

Blechbläser in Jugendorchestern werden von ihren Mitspielern gerne mit sprechenden Spitznamen wie "Power" belegt. Doch überschüssige Kraft kann sich auch produktiv auswirken. Den Hornisten der Deutsch-skandinavischen Jugendphilharmonie wird ihr Zusammenhalt über zehn Probenphasen mit dem Solopart in Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester belohnt. Eine Gruppe ehemaliger Weltorchesterbläser hat sich dagegen vor sieben Jahren zum Weltblech-Ensemble zusammengeschlossen: sie sind am Sonnabend mit einem eigenen britischen Programm "von festlich bis fetzig" im Kammermusiksaal zu hören.

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