Kultur : Vorschau: Sotto voce

Der Enthusiasmus, mit dem im Klassik-Bereich Jugendformationen aller Art bejubelt werden, ist verräterisch: Hier, bei jungen Menschen, deren Elan noch nicht durch die Mühlen der Stadttheater- und Orchesterroutine zerbröselt worden ist, erhofft man den frischen, unverstellten Blick auf die Klassiker. Denn bei Jugendorchestern nimmt man unwillkürlich an, dass das Musikmachen nicht dem nüchternen Zwang zum Broterwerb entspringt, sondern, dass hier noch der Funke der Begeisterung glüht. Der wahrscheinlichere Grund für die überdurchschnittlich hohe Qualität dieser Konzerte liegt allerdings eher in den langen Probephasen. Und natürlich darin, dass die Kombination aus motivierten Musikern und großzügig bemessener Zeit diese Arbeit auch für Top-Dirigenten attraktiv macht.

Von daher hat es gar nichts zu bedeuten, dass die letzte, noch frische Erinnerung an Franz Welser-Möst bei den Philharmonikern nicht allzu positiv war. Man kann getrost darauf vertrauen, dass der frisch gebackene Chef des Cleveland Orchestra am Dienstag mit dem großartigen Gustav-Mahler-Jugendorchester (die ihrerseits die Philharmoniker unter den Jugendorchestern sind) ein schlüssigeres und detailschärferes Bruckner-Bild zeichnen wird. Auf dem Programm in der Philharmonie steht die achte Sinfonie.

Ärgerlich ist allein, dass man sich entscheiden muss, ob man in die Philharmonie oder zum Konzert der Jungen Deutschen Philharmonie im Konzerthaus will. Denn wieder einmal hat die innerstädtische Programmabstimmung kläglich versagt und zwei Jugendorchester müssen sich ums Publikum balgen. Die Junge Deutsche Philharmonie führt dabei mit Hans Zender einen der gescheitesten deutschen Dirigenten, mit Tabea Zimmermann und Gustav Rivinius ausgezeichnete Solisten und dazu noch ein mit Werken von Rihm, Schubert und Zender himself spannend zusammengestelltes Programm ins Feld. Was die Entscheidung allerdings auch nicht einfacher macht.

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