Kultur : Vorschau: Sotto voce

Jetzt ist es raus: Der umstrittene "Fidelio" der Deutschen Oper wird in der nächsten Spielzeit erst einmal ausgesetzt, verkündete Intendant Udo Zimmermann bei der Präsentation des Programms für die nächste Saison - man werde den Regisseur Christof Nel bitten, sein Konzept vielleicht doch noch zu variieren. Was einen doch sprachlos macht: Denn was bitteschön soll denn an dieser Regie so schlimm sein? Dass Florestan in einem weißen Kerkerraum sein "Gott, welch Dunkel hier!" ausruft? Dass man zum Marsch, der Pizzarros Ankunft ankündigt, ein paar wippende Bürokratenbeine aus der Kulisse hängen sieht? Dass der normalerweise nach Augsburger Puppenkiste klingende Dialog manchmal in ein Mikrofon gesprochen wird? Schockieren diese Dinge das Berliner Publikum ernstlich? Sollte man sich nich viel eher über eine Inszenierung freuen, die die Auseinandersetzung mit dem Stück sucht - und die Wirkung ihrer Ideen und Bilder nicht lieber diskutieren als sich aufzuregen? Mal ganz davon abgesehen, dass eine solche private Nachbereitung den Opernabend noch anregender gestalten würde.

Grauslich war allerdings bislang die musikalische Seite - auch nachdem der redliche Nürnberger Generalmusikdirektor Philippe Auguin das Dirigat übernommen und überhaupt erst die Grundvoraussetzungen für geregeltes Musizieren geschaffen hatte. Das hat sich jetzt geändert: Mit Evelyn Herlitzius und Thomas Moser hat die Aufführung endlich ein edles Sängerpaar, das mit seinen Rollen nicht überfordert ist. Herlitzius, die Bayreuth-Brünnhilde dieses Sommers, hat schon im Februar eine ungewöhnlich charismatische Tannhäuser-Elisabeth von Astrid-Varnay-Format an der Deutschen Oper abgegeben. Und dass Thomas Moser, einen der weltweit führenden Heldentenöre ein Florestan von Format sein wird, dürfte ohnehin klar sein. Grund genug, sich die umstrittenste Produktion der ganzen Opernsaison am 5. Mai selber anzuschauen. Denn wer weiß, was in einem Jahr noch von ihr übrig sein wird.

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