Kultur : Vorsicht, Gift

„La Diavolessa“ im Potsdamer Schlosstheater

Jörg Königsdorf

Ein Narr, wer noch denkt, die Liebe mit all ihren Verwicklungen und Wetterwendigkeiten sei das eigentlich zeitlose Thema der Komödie. Nichts da, in Wirklichkeit ist es nur das Geld, das das (Bühnen-)Leben in Gang hält und die Menschen für ihre Mitwelt attraktiv und liebenswert macht. Denn um nichts anderes geht es in Carlo Goldonis „La Diavolessa": Der „verfluchte Hunger nach Gold“ bringt das verarmte Grafenpaar Nastri dazu, beim alten Don Poppone zu schmarotzen, treibt Poppone mit seiner Schatzgräbermacke halb in den Wahnsinn und lässt am Ende sogar das Hochstaplerpärchen Dorina (die „Teufelin“) und Giannino den Tod ihrer Eltern (und damit die lang ersehnte Erbschaft) in einem neckischen Duett besingen. Ende gut, alles gut, und am Schluss heißt’s passend: „Peinliche Fragen will keiner hören, denn sie stören die Harmonie."

Eine bittere Pille, die Goldoni vor 250 Jahren zwecks besserer Verdaulichkeit von seinem Leibkomponisten Baldassare Galuppi als rasante venezianische Opera buffa mit viel melodischem Schmelz dragieren ließ. Im Potsdamer Schlosstheater im Neuen Palais lässt sich die Goldoni-Medizin jedoch allzu leicht schlucken: Regisseurin Heike Hanefeld richtet die Geschichte zwar hübsch als Boulevard-Komödie an, neutralisiert aber ihre galligen Wirkstoffe: Die Hochstapler Dorina und Giannino sind eindeutige Sympathieträger, das gräfliche Paar ist ein mooshammerndes Ulkgespann und der alte Poppone ein harmloser Trottel.

Gespielt wird ein in die Länge gezogenes Ohnsorg-Theater: Wenn Giannino, durch eine Verwechslung zum Grafen befördert, ein erbärmliches Bild seiner neuen Standesgenossen zeichnet, wird hier bloß ein wenig herumgefuchtelt – dass schon allein in dieser Szene für die Zeitgenossen eine Menge Zündstoff lag, muss sich der Zuschauer eben selber denken (und kann es dank des eingedeutschten Textes zum Glück auch). Die Musik hat es da einfacher, auch weil in Galuppis zündender, lebendiger Theatermusik die Sonne der norditalienischen Frühklassik weitgehend unangekränkelt leuchtet: Wolfgang Katschner und seine Lautten Compagney machen aus dem Orchestergraben heraus ordentlich Druck und kurbeln in den Musiknummern das Stück jedes Mal wieder neu an. Katschner und das recht homogene, gefällig singschauspielernde Ensemble werden so wenigstens Galuppi gerecht – Goldoni muss noch warten. Aber die Gefahr, dass seine Moral-Medizin ihr Verfallsdatum überschreiten könnte, besteht ja wohl nicht.

Wieder am 10. und 30. November

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