Vorwürfe gegen Kunsthändler Torsten Bröhan : Kunst als Kampagne?

Eine dubiose Webseite verunglimpft den Berliner Kunsthändler Torsten Bröhan: Angeblich hat er beim Verkauf seiner Design-Sammlung nach China betrogen. Steckt hinter der polemischen Anklage womöglich eine gezielte Kampagne?

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Unikat. Diese Weinkanne hat Christian Dell 1922 in der Metallwerkstatt am Bauhaus Weimar hergestellt. Sie ging als Teil der Bröhan-Sammlung nach China.
Unikat. Diese Weinkanne hat Christian Dell 1922 in der Metallwerkstatt am Bauhaus Weimar hergestellt. Sie ging als Teil der...Foto: Walter Klein

Ein Museum für Design, am liebsten in Berlin: Davon träumte Torsten Bröhan zehn Jahre lang. Der Kunsthändler und Sohn des Berliner Museumsgründers Karl Bröhan hat in seiner Sammlung einen anderen Schwerpunkt gesetzt als der Vater. Statt Jugendstil und Art Déco interessieren ihn die Design-Ikonen des 20. Jahrhunderts – Objekte von Walter Gropius und Wilhelm Wagenfeld, vom Bauhaus inspiriert oder in den Wiener Werkstätten hergestellt. Dazu Möbel der skandinavischen Avantgarde. Am Ende aber resignierte er. „Design wird hierzulande immer noch völlig unterschätzt“, so sein Fazit noch heute.

Berlin jedenfalls signalisierte kein Interesse. Hangzhou in China schon. Im Herbst 2012 verkaufte Bröhan seine Sammlung an die China Academy of Art an der Ostküste. Der damals 64-Jährige war froh, dass eine renommierte Institution die Kollektion als Ganzes übernehmen wollte. Nun aber gibt es Gerüchte auf einer dubiosen Webseite namens „The Bauhaus Bluff“. Bröhan, so wird dort kolportiert, soll der China Academy of Art eine zweifelhafte Sammlung von Bauhaus-Design angedreht haben, zum imposanten Preis von 55 Millionen Euro.

Sind die 7000 Objekte eine Mogelpackung?

Diese Vorwürfe tauchen jetzt auch in seriösen Nachrichtenportalen auf. Dabei wird stets auf die englischsprachige Webseite verwiesen, auf der die knapp 7000 Objekte umfassende Sammlung als „Mogelpackung“ bezeichnet wird. Bröhan, auf der Seite mit einem wenig schmeichelhaften Porträt abgebildet, sei ein wahres Meisterstück geglückt. In Expertenkreisen werde er dafür bewundert, seine „so genannte Bauhaus-Sammlung“ für so viel Geld verkauft zu haben. Keine Frage, da soll jemand verunglimpft werden.

Über den Texten der Webseite, die Bröhan den „55 million man“ nennt, schwebt die Silhouette eines Wasserkessels, der zur Sammlung gehört und tatsächlich kein Bauhaus-Produkt ist, sondern ein Entwurf Richard Sappers für die Firma Alessi aus den 80er Jahren. Dieser Wasserkessel avanciert zum Dreh- und Angelpunkt der Kritik auf der Webseite. Klickt man aber auf die zahlreichen Links zu den sieben eingestellten Texten, verliert sich die Kesselspur rasch: Die Verweise führen auf leere Seiten, zurück auf „The Bauhaus Bluff“ oder gar zu Werbung. Überhaupt geizt die Seite mit nachvollziehbaren Belegen. Wer etwa jene Experten sind, die Torsten Bröhan mit seinem Coup beeindruckt haben soll, bleibt offen.

Stillschweigen über die Details des Vertrags

Ob und wo sich die Verkaufssumme verifizieren lässt, erfährt man ebenfalls nicht. Bröhan erklärt auf Nachfrage, mit den Käufern sei seinerzeit „Stillschweigen über die Details des Vertrages vereinbart worden“. Es stimme, dass es sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag handele, wie damals „Die Zeit“ vermeldete. Doch die jetzt genannte Summe sei „aus der Luft gegriffen“. Die Behauptungen auf der Website empfindet der in Berlin lebende Sammler als „bösartig“, inzwischen lässt er sich rechtlich beraten. Tatsächlich verbinden die Beiträge Fakten und Mutmaßungen so suggestiv miteinander, dass sie Bröhan in ein schlechtes Licht rücken. Seine Zeit als Händler, der 1983 eine Galerie für Design-Klassiker eröffnete, sie neun Jahre später wieder schloss und die Objekte später in internationale Auktionen gab, wird so kommentiert: „Offensichtlich liefen die Geschäfte nicht so gut wie von Bröhan erwartet.“ Als ob es sich nicht um einen im Kunstmarkt normalen Vorgang handele.

Bauhaus oder Wasserkessel?

Auch das Missverständnis um den Begriff „Bauhaus-Collection“ lässt sich leicht klären. Als die Sammlung 2012 verkauft wurde, ging es offiziell um Design-Klassiker aus der Zeit um 1900 bis zur Gegenwart. „Darunter befand sich ein großes Konvolut mit Originalen aus der Bauhaus-Ära“, so Bröhan. Aber auch spätere Editionen oder eben Sappers Wasserkessel, der längst eine Ikone ist. Dass nun suggeriert wird, die Käufer aus Asien seien bewusst getäuscht worden, findet Bröhan lachhaft. Natürlich hätten die Vertreter der ältesten chinesischen Kunstakademie gewusst, was sie kauften.

Als Verantwortlicher für die Webseite „The Bauhaus Bluff“ steht der Berliner Journalist und Medienberater Marcus Johst im Impressum. Er ist auch der Absender einer Mail, die Anfang der Woche diverse Medienredaktionen auf die Webseite aufmerksam machte. „Design-Mogelpackung aus Berlin?“ hieß es effektvoll in der Überschrift.

Polemik der Experten

Und dass sich Zweifel am Wert der Bröhan-Sammlung regten, „kurz vor der Eröffnung eines eigens errichteten Museumsbaus“. Wer hier zweifelt, bleibt im Dunkeln. Dafür taucht ein weiterer Experte auf, der sich über Sappers Wasserkessel mokiert. Es handelt sich um den Kölner Designprofessor Michael Erlhoff, der 2011 im Design-Magazin „Stylepark“ einen polemischen Text über die Ausstellung auf dem Campus der chinesischen Akademie schrieb, die Bröhans Sammlung anlässlich des Ankaufs präsentierte. „Bauhaus“ hatten die Verantwortlichen in Hangzhou die Schau genannt. Der Wasserkessel war dort auf das Entstehungsjahr 1932 datiert – das Geburtsdatum seines Gestalters Richard Sapper. Ein Fehler, den man kaum dem Sammler anlasten kann. Zudem fragt Erlhoff polemisch, weshalb eine Kultur ihre eigene, mehrtausendjährige Kultur vernachlässigt, um die Kunststudenten stattdessen an der Ästhetik der europäischen Moderne zu schulen.

Für Marcus Johst, der ein „Institut für strategische Medienentwicklung“ leitet, sind Erlhoffs Zuspitzungen ein Indiz für Ungereimtheiten beim Verkauf von 2012. Aus journalistischem Interesse wolle er sie öffentlich machen. Hinter der Kampagne gegen Bröhan steckt aber vermutlich etwas anderes. Laut Torsten Bröhan werden auf der Webseite „Informationen aus einem laufenden Gerichtsverfahren“ verwendet. Es handelt sich um einen Zivilprozess am Berliner Landesgericht: Ein früherer Berater Bröhans, der ab Dezember 2010 nach möglichen Käufern für die Sammlung gesucht hatte, hat den Kunsthändler auf eine Provision verklagt, die der Berater für die Vermittlung des Deals für sich geltend macht. Der Prozesstermin am Tegeler Weg ist am 11. November. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Bröhan in Misskredit zu bringen, dürfte im Interesse seines Prozessgegners sein.

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