VW People's Night : Wolfsburger Nächte sind lang

Die Akademie der Künste war für eine Nacht das Party-Hauptquartier.

Elisabeth Binder
Diane Kruger Foto: ddp
Berlinale-Jurymitglied Diane Kruger auf der "VW People's Night". -Foto: ddp

Hollywood-Star Goldie Hawn im Arm von Modezar Karl Lagerfeld, das ist ein Motiv, das die ohnehin schon leicht entzündbaren Fotografen in reine Ekstase treibt. Diesmal trumpfte VW mit seiner People’s Night so richtig auf. Statt Stars und Prominente ins Borchardt zu zwängen, wie in den vergangenen Jahren, hatte der Berlinale-Hauptsponsor an den Pariser Platz geladen, in die Akademie der Künste. Deren Präsident Klaus Staeck stand beim Aufmarsch der Heroen der Glamour-Kunst kopfschüttelnd auf der Dachterrasse. Was ihn irritierte, war nicht die Tatsache, dass die Akademie von vorn fast ein bisschen nach Autohaus aussah („Wir haben darauf geachtet, dass kein großes Modell aufgestellt wird“), sondern die teuren Kulissen, mit denen die gesamte Akademie in eine weiße Lounge-Landschaft verwandelt worden war. „So viel Aufwand für eine Nacht“, seufzte er und dachte dabei wohl an die darbenden Künste abseits der Scheinwerfer. In diesen Tagen wirkt Berlin nicht nur sexy, sondern auch reich.

Der rote Teppich glühte den ganzen Abend lang, Jasmin Tabatabai, Kathrin Sass, Hannah Herzsprung, Julia Jentsch, Meret Becker, Gudrun Landgrebe, Anna Maria Mühe, Heino Ferch, Peter Lohmeyer unter anderem repräsentierten die deutsche Filmkunst. Auch Designer wie Michael Michalsky und Jette Joop kamen zur Party. Letztere verkörperte am deutlichsten einen neuen Trend. In den letzten Jahren dominierten noch Jeans, aber das Starfeuerwerk im Hinterkopf, macht man sich jetzt wieder schick. Jette Joop zum Beispiel kam in einem schwarzledernen Vamp Suit des dänischen Labels Noir mit Overknee-Stiefeln von Chanel und einer Tasche von Marc Jacobs. „Und der Schmuck ist von Mutti“, sagte sie fröhlich und meinte sich selbst. Diane Kruger, Julie Delpy, Ralf Moeller, Artur Brauner und Vicky Leandros flanierten ebenfalls durch die Akademie. Rechtzeitig zum mitternächtlichen Auftritt von Seal kam auch Dieter Kosslick mit wieder exakt der richtigen Anekdote auf die Bühne und erzählte, wie der vorige Akademie-Präsident Imre Kertész beim ersten Anblick des Gebäudes ausrief: „Ich glaube, das ist ein Kaufhaus für Treppen.“

In der Nacht zu Samstag war die Akademie eher ein Showroom für das Lebensgefühl Berlin, das Max Raabe in unübertroffen lakonischer Weise kommentierte: „Keine Feier ohne Meier.“ Die Berlinale ist Kern und Anlass, dient aber auch als Funken für ein Partyfeuerwerk, das über der ganzen Stadt funkelt.

Wie sehr der coole Zauber wirkt, war auch daran zu sehen, dass die VW-Zeichen, mit denen die Akademie zu diesem Anlass übersät war, eher ikonographisch à la Andy Warhol angebracht waren, als mit dem üblichen Sponsorenprotz. Nach dem heftig gefeierten Auftritt von Sänger Seal wackelten die Wände gleich weiter. Die Fantastischen Vier sangen „Es könnte alles so einfach sein, isses aber nicht.“ In diesem frühlingshaften Berlinale-Berlin isses manchmal aber einfach schön.

Und auch das Borchardt gerät nicht ins Abseits, denn dorthin hatte gestern Abend Mercedes-Benz die Berlinale- Sterne und ihre Satelliten eingeladen. Unter anderem hatten Esther Schweins, Ralf Moeller, Eva Padberg und Matthias Schweighöfer zugesagt. Und natürlich Dieter Kosslick. Denn um so viel Glanz zu erzeugen, kann man ja gar nicht genug Sponsoren haben.

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