Wachsfigurenkabinett : Angriff auf Wachs-Hitler wegen Wette

Die Enthauptung des Wachsdiktators Hitler im neu eröffneten Figurenkabinett "Madame Tussauds" war das Ergebnis einer Wette. Das sagte der 41-jährige Täter nach seiner Vernehmung durch die Polizei.

Till Erdtracht[ddp]

Berlin Kurz nach der Eröffnung des Berliner Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds ist es am Samstag zu einem Eklat gekommen. Ein Besucher aus Kreuzberg riss der umstrittenen Adolf-Hitler-Figur den Kopf ab. Der 41-jährige Mann hatte sich nach Polizeiangaben zielgerichtet auf die hinter einem Schreibtisch sitzende Wachsfigur gestürzt. Zwei Wachmänner konnten ihn nicht aufhalten. Die Polizei nahm den Mann nach der Tat fest. Er wurde noch am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt.

Zunächst hatte sich der Mann den Angaben nach völlig unauffällig verhalten. Plötzlich habe er die beiden Sicherheitsleute vor dem Hitler-Exponat zur Seite gedrängt. Nach Augenzeugenberichten rief er "Nie wieder Krieg", bevor er die Wachspuppe des Diktators mit voller Wucht enthauptete. Ein 32-jähriger Wachmann erlitt bei dem Versuch, den Mann zu überwältigen, leichte Verletzungen am Bein. Der Staatsschutz ermittelt wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wollte der Mann gegen die Ausstellung der Hitler-Figur protestieren. Nach einem unbestätigten Medienbericht sagte er nach seinem Verhör, dass er die Hitler-Figur wegen einer spontanen Wette beschädigt habe. Nicht bestätigen wollte die Polizei zudem, dass es sich bei dem "Attentäter" um einen Ex-Polizisten handelt, der zurzeit als Altenpfleger tätig ist.

Einer Tussauds-Sprecherin zufolge ist noch unklar, ob die umstrittene, rund 200.000 Euro teure Figur nun repariert und wieder ausgestellt wird. Seit Tagen hatte es heftige Diskussionen gegeben, ob die Nachbildung des Diktators gezeigt werden darf. Mehrere Politiker, darunter FDP-Vize Rainer Brüderle und der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger, hatten sich dagegen ausgesprochen. Der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel, nannte die Darstellung "überflüssig und geschmacklos".

75 Wachsfiguren auf 2500 Quadratmetern

Das Kabinett am Boulevard Unter den Linden war am Samstag zum ersten Mal für das breite Publikum zugänglich. Es zeigt auf 2500 Quadratmetern und zwei Etagen 75 Wachsfiguren von Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Showbusiness. Unter den nachgebildeten Persönlichkeiten sind zum Beispiel Marlene Dietrich, Albert Einstein, Oliver Kahn, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Karl Marx. Im Gegensatz zu den übrigen Exponaten durften die Besucher die Hitler-Skulptur nicht fotografieren oder berühren.

Neben dem Ärger um die Hitler-Figur droht Madame Tussauds jetzt noch ein Streit vor Gericht. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) wolle juristisch dagegen vorgehen, als Wachsfigur in der Ausstellung zu stehen. Dazu habe er nie sein Einverständnis gegeben, sagte Kohl nach Angaben seines Sprechers und bestätigte damit einen entsprechenden Medienbericht. Kohl werde die Sache jetzt seinem Anwalt übergeben. Die Berliner Tussauds-Managerin Susanne Keller geht indes davon aus, dass der Ex-Kanzler eine Zusage gegeben hat.

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