Wagner-Festspiele : Kulturrat fordert "transparentes Verfahren" in Bayreuth

Leicht monarchisch? Der Bayreuther Festspielchef legt fest, dass seine Töchter Katharina und Eva die Leitung des jährlichen Wagner-Spektakels übernehmen. Der Kulturrat will auf jeden Fall, dass nachvollziehbar ist, wer da letztlich von Steuergeldern mitbezahlt wird.

Berlin/BayreuthDer Deutsche Kulturrat verlangt ein "transparentes Auswahlverfahren" bei der Entscheidung über die künftige Leitung der Bayreuther Festspiele. Es müssten dieselben Spielregeln gelten wie in jeder anderen Kultureinrichtung, die durch öffentliche Mittel mitfinanziert werde, erklärte Geschäftsführer Olaf Zimmermann am Mittwoch in einer Mitteilung in Berlin. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und der bayerische Kunstminister Thomas Goppel (CSU) hatten bereits deutlich gemacht, dass sie den Vorschlag von Festspielchef Wolfgang Wagner (88) unterstützen, eine Doppelspitze mit seinen beiden Töchtern Katharina Wagner (29) und Eva Wagner-Pasquier (63) zu ernennen.

Auch die einflussreichen Mäzene "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" favorisieren diese Lösung und wollen bereits auf der nächsten Sitzung des Stiftungsrats am 29. April eine Entscheidung herbeiführen. Das Nachsehen hätte die dritte Bewerberin Nike Wagner (62), Nichte des Festspielchefs. Nach Ansicht des Kulturrats wirft das Auswahlverfahren ein schlechtes Licht auf den gesamten Kulturbereich in Deutschland. Die Bevölkerung, die mit ihren Steuergeldern auch die Richard-Wagner-Festspiele erst möglich mache, müsse den Eindruck erhalten, dass "vordemokratische Auswahlverfahren" gang und gäbe seien. Es sei Aufgabe der Politik, diesen Eindruck zu korrigieren. "Nur so kann der Imageschaden, der längst nicht mehr nur das Festspielhaus in Bayreuth betrifft, in Grenzen gehalten werden", warnte Zimmermann. Der Deutsche Kulturrat ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände.

Politik erfreut über Wagner-Entscheidung

Kulturstaatsminister Neumann hatte am Dienstagabend erklärt, er begrüße es sehr, dass Festspielchef Wagner in Aussicht gestellt habe, die Führung an seine beiden Töchter zu übertragen. "Mit der erfahrenen Opernmanagerin Eva Wagner-Pasquier und der Regisseurin Katharina Wagner könnten professionelle Erfahrung und künstlerische Innovation in der neuen Festspielleitung verankert werden", teilte Neumann mit.

"Wichtig ist jetzt, dass die beiden Wagners zügig ein gemeinsames, tragfähiges Konzept vorlegen, auf dessen Grundlage der Stiftungsrat über die personelle und inhaltliche Zukunft der Bayreuther Festspiele Entscheidungen treffen kann." Neumann äußerte die Erwartung, dass in naher Zukunft eine tragfähige und von allen Seiten akzeptierte Lösung in der Nachfolgefrage auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth gefunden werden könne. Der Bund ist ebenso wie das Land Bayern im Stiftungsrat vertreten und unterstützt die Bayreuther Festspiele mit Zuschüssen. Im Deutschlandfunk machte Neumann klar, dass der Bund die Festspiele unter der Voraussetzung der Erneuerung auch weiterhin fördern werde. (mhz/dpa)

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