Kultur : Wahl in Israel: "Wir kämpfen für das Ende der Besatzung"

Herr Barghouti[wenn Ariel Sch],was wird passieren[wenn Ariel Sch]

Marwan Barghouti (41)-jährige ist Fatah-Chef der Westbank und Anführer der jetzigen Intifada

Herr Barghouti, was wird passieren, wenn Ariel Scharon gewählt wird?

Scharon ist die letzte Kugel in der Tasche der Israelis. Sie benutzen sie. Das ist okay. Aber in einigen Wochen oder Monaten werden die Israelis merken, dass dies ein historischer Irrtum war. Scharon wird ihnen die Sicherheit, die sie wünschen, auch nicht bringen.

Warum nicht?

Israel wird keinen Premierminister finden, der die Intifada beenden kann. Es sei denn, er ist mutig genug, aus den besetzten Gebieten abzuziehen wie aus Südlibanon. Ariel Scharon ist dazu nicht bereit. Seine Wahl ist reine Zeitverschwendung.

Die Intifada hat sich in den vier Monaten gewandelt. Statt den bekannten Massendemonstrationen gibt es jetzt eher die gezielte Ermordung von Israelis. Werden Sie diese Taktik verstärken?

Wir wehren uns nur, wir sind die Opfer der Besatzung. Wir sind gegen Terror in Israel. Wir würden niemanden in Tel Aviv angreifen, denn wir erkennen den Staat Israel an. Aber wird kämpfen für das Ende der Besatzung. Die Siedler sind illegal in unserem Land. Nach Scharons Wahl werden die Palästinenser sicher wieder massenhaft auf die Straße gehen. Aber die Intifada wird getragen von normalen Menschen, die auch manchmal erschöpft sind.

Die Intifada ging aber auch während der Verhandlungen mit Ministerpräsident Barak weiter. Unter welchen Umständen würde sie beendet werden?

Verhandlungen ohne Druck von der Straße haben keinen Sinn. Das haben wir nach Oslo sieben Jahre lang probiert, für die Menschen hier hat sich dadurch nichts verändert. Die Palästinenser haben die Nase voll von Fernsehbildern, auf denen händeschüttelnde Politiker zu sehen sind.

Würden Sie denn persönlich mit Scharon verhandeln?

Ich bin gegen Verhandlungen mit Scharon, das wäre reine Augenwischerei. Und ich hoffe, dass auch die anderen arabischen Länder ihn nicht einladen werden. Israel unter Scharon muss isoliert werden.

Was wäre die Basis für weiter Verhandlungen?

Wir wollen nur noch einen Zeitplan für die Umsetzung der existierenden UN-Resolutionen diskutieren. Die Grenz- und die Flüchtlingsfrage sowie die Siedlungsproblematik sind in ihnen geregelt. Sie sind das Minimum, das für die Palästinenser akzeptabel ist. Daher sollte auch die UN die Schirmherrschaft über den Friedensprozess übernehmen.

Könnte Präsident Jassir Arafat die Intifada stoppen?

Er kann das Ende des Aufstandes nicht befehlen, er ist ja auch nicht auf seinen Befehl hin ausgebrochen.

Sind Sie also der neue Führer der Palästinenser?

Nein. Ich bin der Fatah-Führer in der Westbank. Aber ich habe Macht. Und ich bin stolz darauf. Ich versuche, die Gefühle der einfachen Menschen zu repräsentieren, nicht die der Top-Politiker.

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