• Wahlen in Hamburg: Im Gewand des Gewinners. Warum SPD-Landeschef Scholz als Nachfolger Rundes gilt

Kultur : Wahlen in Hamburg: Im Gewand des Gewinners. Warum SPD-Landeschef Scholz als Nachfolger Rundes gilt

Karsten Plog

Als Hamburgs Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Ortwin Runde am Wahlabend noch zurückgezogen auf Informationen wartete und mit seiner Berliner Parteiführung telefonierte, stand sein Landesvorsitzender Olaf Scholz längst vor den Mikrofonen. Obwohl sich die Schlappe längst abzeichnete und damit auch die mögliche Ablösung des rot-grünen Senats, trat Scholz wie ein Gewinner auf: "Die SPD ist wieder mit Abstand die stärkste Partei geworden und wird Gespräche mit den anderen Parteien über die Regierungsbildung aufnahmen." Das ist typisch für den gelernten Rechtsanwalt und ehrgeizigen Genossen, von dem inzwischen viele in der Hansestadt meinen, er werde Runde bei der nächsten Bürgerschaftswahl als Spitzenkandidat ablösen.

Der 43-jährige gelernte Anwalt kann für sich in Anspruch nehmen, die SPD in der letzten Phase des Wahlkampfes vor einem größeren Desaster bewahrt zu haben. Als sich abzeichnete, dass Richter Schill mit dem Thema Innere Sicherheit die Partei völlig unvorbereitet in die Defensive brachte, verließ Scholz seinen Bundestagssitz in Berlin, wo er sich der besonderen Wertschätzung von Bundeskanzler Schröder rühmen konnte, und kehrte als Innensenator an die Elbe zurück. Manch ein Genosse erkannte ihn nicht wieder. Denn Scholz, der wie Runde vom linken Parteiflügel kommt, fackelte nicht lange und schlüpfte in das Gewand eines "Hardliners", um mit der offenen Drogenszene am Hauptbahnhof aufzuräumen.

Das war erstaunlich, hatte sich doch Scholz wie viele andere Hamburger Genossen früher auch stets weniger interessiert gezeigt, wenn es um Polizei und Verbrechen ging. Auch im Wahlprogramm der Partei, das wesentlich von ihm gestaltet wurde, spielte das brisante Thema eine untergeordnete Rolle. Das hat Scholz nichts geschadet. Und man darf davon ausgehen, dass Scholz ehrgeizig genug ist, um auf der Karriereleiter noch ein paar Stufen höher steigen zu wollen.

In der Hamburger SPD folgen manche der Genossen dem stürmischen Aufstieg des wandlungsfähigen Parteilinken zwar mit kritischem Blick, doch seine Position an der Spitze der Partei ist unbestritten. Rundes Position dagegen ist angeschlagen. Bisher wird er nicht öffentlich kritisiert, aber ihm wird parteiintern vorgeworfen, seine Politik zu schlecht verkauft zu haben. Noch immer aber scheinen die Sympathien für Runde nicht verbraucht zu sein. Es wäre deshalb etwas früh, ihn schon abzuschreiben.

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