Kultur : Wahnzimmer

Zum Tod des Fotokünstlers Bernhard Blume

Foto: Davids/Tantussi
Foto: Davids/TantussiFoto: DAVIDS

Sie parodierten mit Vorliebe den kleinbürgerlichen Alltag, zeigten mit unverhohlener Lust am Chaos die Wirklichkeit als Wahn: Kartoffeln fliegen da durch die Luft, Vasen wirbeln wie in Ekstase herum und aus den Trümmern ragen Körperteile heraus. Sie gehörten meist Anna oder Bernhard Blume, denn die beiden Fotografen machten sich mit Vorliebe zu Darstellern ihrer inszenierten Fotoarbeiten, ihre humorvolle, absurd-philosophische Kunst war stets Gemeinschaftswerk. Nun bleibt Anna Blume allein zurück: Ihr Ehemann und künstlerischer Partner Bernhard Blume ist bereits am Donnerstag nach kurzer, schwerer Krankheit 73-jährig in Köln gestorben, wie erst jetzt bekannt wurde.

Die Blumes, beide 1937 in Nordrhein-Westfalen geboren, lernten sich zu Beginn der sechziger Jahre an der Kunstakademie in Düsseldorf kennen. In den achtziger Jahren formten sie eine Künstlergemeinschaft und wurden zu Pionieren auf dem Gebiet der inszenierten Fotografie. Alles scheint in ihren Arbeiten aus den Fugen geraten zu sein. Alltagsgegenstände bekommen wie in der Serie „Trautes Heim“ (1985/86) ein unkontrollierbares Eigenleben, Wohnzimmer werden zu „Wahnzimmern“, spießige Interieurs zu Schlachtfeldern.

Die anarchisch-komischen Fotos erforderten viel Aufwand, und die Blumes hantierten auch noch im fortgeschrittenen Alter mit allerhand Materialien. Oder sie balancierten und kletterten mit vollem Körpereinsatz, wie etwa für die Sequenz „Im Wald“, auf der Bernhard Blume auf einem Ast sitzt, während seine Frau Anna ins Nichts stürzt.

Später setzten sich die Blumes mit den Möglichkeiten der digitalen Fotografie auseinander und arbeiteten mit konstruktivistischen Skulpturelementen und Balken aus Styropor wie für die Serie „Abstrakte Kunst“ (2000-2004). Manchmal gibt es auch Sinnsprüche zu den meist schwarz-weißen Bilderserien. „Der Gedanke des Todes ist unannehmbar“ heißt es zum Beispiel in der Werkgruppe „Passionsbilder“. Aber auch: „Die Wirklichkeit ist, wie sie ist, d.h. grausam“

Die meiste Zeit lebten die Blumes in Köln, aber auch in Hamburg, wo Bernhard Professor an der Hochschule für Bildende Künste war. dpa

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