Waldschlösschenbrücke : Behörde bleibt stur

Der Bau der geplanten Waldschlösschenbrücke im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal ist kaum noch zu verhindern. Das Regierungspräsidium will entgegen dem Stadtratsbeschluss Tatsachen schaffen und auf dem alten Entwurf beharren.

Waldschlösschenbrücke
Dezent genug? Der Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Schlaich, Bergermann und Partner.Foto: dpa

DresdenDer Bau der geplanten Waldschlösschenbrücke im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal ist kaum noch zu verhindern: Mit Vergabe der Bauaufträge für die ursprünglich geplante und kritisierte Bogenbrücke will das Regierungspräsidium Dresden nach monatelangem Gezerre um eine bessere Variante nun Tatsachen schaffen. Die Behörde wird an Stelle der Stadt in den nächsten Tagen die Vergabe der Bauaufträge für die vor Jahren geplante Brückenversion anordnen, sagte eine Sprecherin. Der Stadtratsbeschluss vom Vorabend, der Unesco eine filigranere Konstruktion als Alternative vorzulegen, werde beanstandet. Das Welterbe-Komitee der UN- Kulturorganisation will bei seiner Tagung im neuseeländischen Christchurch (23. Juni bis 2. Juli) über das Dresdner Elbtal beraten.

Entsteht die Brücke wie ursprünglich geplant, droht der rund 20 Kilometer langen Flusslandschaft die Aberkennung des Titels. Dies wäre ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der Welterbe- Konvention. Das Dresdner Elbtal war 2004 in die Riege der Unesco- Welterbe-Stätten aufgenommen worden. Im Juli 2006 kam sie wegen des beabsichtigten Brückenbaus auf die Rote Liste. Deutschland wurde aufgefordert, das Bauvorhaben zu stoppen und Alternativ-Lösungen zu suchen. Über das 1996 vom Stadtrat beschlossene 160 Millionen Euro- Projekt wird seit Jahren gestritten.

Stadtrat hat sich auf alternativen Entwurf geeinigt

Die Dredner Grünen-Stadtratsfraktion forderte den Bund auf, "in allerletzter Minute" schlichtend einzugreifen. Der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Hans-Joachim Otto (FDP), appellierte, vor der Sitzung des Unesco- Welterbe-Komitees keine vollendeten Tatsachen zu schaffen. "Man sollte das Gespräch suchen", sagte er.

Die Stadt Dresden sucht nach dem Ausreizen aller juristischen Möglichkeiten zur Verhinderung des Brückenbaus mit einer moderateren Version des Bauwerks den Titel-Verlust abzuwenden. Der Stadtrat stimmte bei einer Sondersitzung nach heftiger Debatte dem von einem Gutachtergremium empfohlenen Entwurf des Architekturbüros Schlaich Bergermann (Stuttgart) zu.

Schlechte Chancen für filigranere Brücke

In den Wochen zuvor hatten sechs renommierte Architektur- und Ingenieurbüros im Auftrag der Stadt Alternativen erarbeitet. Zwei davon hoben sich deutlich gegen die bisher geplante Brücke ab, die auf massiveren Pfeilern ruht und bei der ein Betonbogen den Flusslauf überspannt. Nach Angaben von Baubürgermeister Herbert Feßenmeyer (CDU) wäre für eine Realisierung des Schlaich-Entwurfs nur eine Planänderung und kein neues Planfeststellungsverfahren nötig. Die ursprünglich geplante Flussquerung war im Februar 2005 per Bürgerentscheid bestätigt worden, der eine Bindungsfrist von drei Jahren hat.

Die Stadt war in der vergangenen Woche mit Verfassungsbeschwerde und Eilantrag zur Verhinderung der geplanten Brückenversion vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Das Regierungspräsidium hatte danach an ihrer Stelle bereits die Vergabe der Bauaufträge für die Brückenzufahrten auf einer Uferseite ausgelöst. Diese sollen bis Monatsende unterzeichnet werden. Nach Angaben der Stadtverwaltung passen diese aber auch zum Alternativ-Entwurf. Die Forderung von Bürgerinitiativen nach Vorlage der Tunnel-Version bei der Unesco war vom Stadtrat nicht beachtet worden. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben