Waldschlößchenbrücke : Das Weltkulturerbe zittert

Die Unesco äußert sich nach dem Gerichtsbeschluss über den Bau der umstrittenen Waldschlößchenbrücke enttäuscht. Es sei sehr „wahrscheinlich“, dass dem Dresdener Elbtal der Status „Weltkulturerbe“ aberkannt werde. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse fordert Alternativen.

Nadine Lantzsch
dresden
Droht der Verlust des Weltkulturerbes? Nach dem Gerichtsbeschluss zum Bau der umstrittenen Brücke scheint das immer...Foto: ddp

Dresden„Ich bedaure das Urteil und bin sehr traurig darüber“, sagte ein frustrierter Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Er forderte von Milbradt, den „zum Teil erheblichen Widerstand der Bevölkerung“ zu berücksichtigen und nach Alternativen zu suchen.

Sachsens Ministerpräsident hingegen äußerte sich zufrieden über den Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes in Bautzen (OVG), welches die Klagen mehrerer Naturschutzverbände zurückwies, und damit dem Bau der Waldschlößchenbrücke grünes Licht gab. „Ich hoffe, dass jetzt insgesamt wieder Frieden einkehrt“, sagte Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und sprach von einem “friedenstiftenden Signal“. Er hofft, dass die Entscheidung ihre “brückenschlagende Wirkung“ entfalten könne und appellierte an Gegner und Befürworter, „Frieden einkehren zu lassen“.

 Die Politik schaltet sich ein

Wolfgang Thierse war jedoch nicht der einzige, der sich nach dem Urteil kritisch äußerte. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) warnte vor einem unveränderten Bau. Jetzt werde sich zeigen, wie belastbar die Erklärung Georg Milbradts seien, am Entwurf bauliche Veränderungen vorzunehmen. „Ich hoffe, die Veränderungen am Bauwerk führen zum Erhalt des Welterbestatus“,  sagte Tiefensee der „Sächsischen Zeitung“.

Milbradt hatte zuvor angekündigt, den Bau noch zu modifizieren, um einer Aberkennung des Weltkulturerbes von der Unesco zu umgehen. Regierungspräsidium und Stadt würden während der Bauphase die Brücke weiter optimieren und für eine noch bessere Einbindung in das Stadtbild sorgen. Ironischerweise aber stützt sich die CDU-Landesregierung seit je her auf den Bürgerentscheid vom Februar 2005, der den Brückenbau gemäß einem Entwurf aus dem Jahre 1997 vorsieht. „Die Dresdner Bürger haben sich für die Waldschlößchenbrücke entschieden und einen Anspruch auf den Bau“, meint Sachsens Innenminister Buttolo (CDU) am Nachmittag fast trotzig. 

Unterdessen forderte der Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses, Hans-Joachim Otto (FDP), Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) auf, zu vermitteln. „Viel Zeit haben wir leider nicht mehr, sonst ist das Kind in den Brunnen gefallen“, sagte Otto. Mit „einem bisschen guten Willen“ könne eigentlich der schlimmste Fall vermieden werden.

Aberkennung wäre einmalig in Europa

Mit dem schlimmsten Fall meint Otto die Aberkennung des Weltkulturerbes für das Dresdener Elbtal. Materielle und fachliche Unterstützung der Organisation für den Erhalt und die Restauration des Flussbereiches wären dann passé. Zudem drohen ein massiver Imageschaden nicht nur für die Stadt Dresden, sondern auch für weitere deutsche Anwärter auf den Titel, wie zum Beispiel die Stadt Heidelberg.

Unesco-Generaldirektor Koichiro Matsuura zeigte sich in Paris betrübt, dass die intensiven Verhandlungen zwischen der Weltorganisation und deutschen Regierungsvertretern zum Schutz der Dresdner Elblandschaft gescheitert seien. Für den europäischen Raum wäre eine Aberkennung der Unesco bisher einmalig. Mit einer Entscheidung ist im Juli 2008 zu rechnen. Dann nämlich trifft sich das Welterbekomitee im kanadischen Quebec zu einer Sitzung. Die technische Konstruktion der Brücke und ihres Einflusses auf die Landschaft. Bisher ist die Unesco der Ansicht, dass die Brücke den Blick auf das Elbtal versperrt und zudem die Flusslandschaft stark schädigen würde.

Weltkulturerbe ist nicht der einzige Streitpunkt

Unabhängig von der Debatte um das Weltkulturerbe sind zusätzlich etwa 21 Klagen gegen den geplanten Bau offen. Mit dem Gerichtsurteil des OVG wurde zumindest vorerst der Streit um die gefährdete Fledermausart Kleine Hufeisennase beendet. Das Gericht erlaubte den Bau der Brücke nur unter Auflagen, um die Tiere zu schützen. So soll Tempo 30 auf der Brücke in den Nächten zwischen April und Oktober verhindern, dass die Fledermäuse bei der Jagd nach Insekten von Autos erfasst werden.

Rechtlich gesehen ist die Brücke wegen der anhängigen Klagen nicht endgültig beschlossen. Gegner des Brückenbaus warnen deshalb vor einem vorschnellen Baubeginn, denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Brücke am Ende aller Verhandlungen wegen Unrechtmäßigkeit wieder abgerissen werden muss. Es wird also noch ein paar Jahre dauern, bis die Öffentlichkeit mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zur Waldschlösschenbrücke rechnen kann. Die Entscheidung der Unesco dürfte davon jedoch unberührt bleiben.

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