Waldschlösschenbrücke : Hoffen auf die Gnade der Unesco

Der Brückenstreit nimmt eine weitere Wendung: Dresden will mit neuen Entwürfen zur umstrittenen Waldschlösschenbrücke die Unesco-Denkmalschützer milde stimmen.

DresdenEs gehe darum, ein Votum über die Aberkennung des Welterbe-Titels für das Dresdner Elbtal auszusetzen, sagte Baubürgermeister Herbert Feßenmayr. Deshalb werde er mit dem amtierenden Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) zur nächsten Tagung des Welterbe-Komitees (23. Juni bis 1. Juli) nach Christchurch (Neuseeland) reisen.

Die neuen Brückenentwürfe sollen am 8. Juni vorliegen und den Bürgern einen Tag später präsentiert werden. Der Stadtrat hat am 12. Juni darüber zu befinden. "Die Chance für einen Kompromiss besteht ganz sicher, weil wir als Stadt etwas dafür getan haben", sagte Feßenmayr. Die UN-Kulturorganisation hatte das 20 Kilometer lange Dresdner Elbtal im Sommer 2006 auf die Rote Liste gesetzt und bei einem Bau der Brücke mit Aberkennung des Titels gedroht. Dies wäre ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Welterbe-Konvention.

Sachsens Innenminister gegen Kompromisslösung

Feßenmayrs Optimismus wird nicht überall geteilt. Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) will sich nicht für eine Kompromisslösung stark machen. Das dem Ministerium unterstellte Regierungspräsidium hatte der Stadt mit Zwangsmaßnahmen gedroht, sollte sie den Bau hinauszögern. Feßenmayr sieht bei der Vergabe von Bauaufträgen weiter die Stadt am Zug. "Wir sind noch nicht soweit, dass es einen Zuschlag geben könnte", sagte er mit Verweis auf die gerichtlich angeordnete Wiederholung von Vergabeverfahren.

Über die 160 Millionen Euro teure Waldschlösschenbrücke wird seit langem gestritten. Befürworter erhoffen sich von ihr eine Entlastung für den Verkehr. Nach Ansicht der Unesco würde sie das Panorama an der sensibelsten Stelle verschandeln. 2005 gab es bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit für den Brückenbau. Allerdings stand damals noch nicht fest, dass Dresden damit den Unesco-Titel riskiert. Für die Befürworter der Brücke ist der Bürgerentscheid das wichtigste Argument für den Bau.

Am Donnerstag hatte sich der Hamburger Architekt Volkwin Marg in der "Sächsischen Zeitung" vom derzeit geplanten Brückenentwurf distanziert. In einem offenen Brief an die Stadt empfahl er stattdessen einen Tunnel. Marg hatte 1997 die Jury im Architekten-Wettbewerb für die Brücke geleitet. Feßenmayr hielt die Äußerungen für wenig hilfreich. Die Jury habe die Stadt jahrelang im Glauben gelassen, dass der beste Entwurf ausgewählt worden sei. Es sei nicht gut, auf Grund der entstandenen Diskussion die Meinung zu ändern. (mit dpa)

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