Waldschlößchenbrücke : Letzte Station Karlsruhe

Die Dresdner Bürger wollen sie, ihre Stadtoberen auf keinen Fall: die Waldschlösschenbrücke durchs Unesco-geschützte Elbtal. Jetzt zieht das Stadtparlament vors Verfassungsgericht.

Dresden - Dresden hat vor dem Landesverfassungsgericht Leipzig und vor dem Bundesverfassungsgericht Karlsruhe Beschwerden gegen den Brückenbau durch das Dresdner Elbtal eingereicht. Sachsens Oberverwaltungsgericht hatte kürzlich die Vergabe der Bauaufträge angewiesen, damit der Bürgerentscheid für den Brückenbau aus dem Jahr 2005 vollzogen wird. Das Stadtparlament hatte daraufhin die Beschwerden beschlossen, um den Bau doch noch zu verhindern. Wird die rund 160 Millionen Euro teure Waldschlösschenbrücke wie geplant gebaut, droht Dresden der Verlust des Welterbetitels. Das hatte das zuständige Unesco-Komitee im vergangenen Jahr angekündigt.

Bei den Beschwerde geht es insbesondere um die Frage, wie verbindlich das Völkerrecht für Deutschland und letztlich auch für den Freistaat Sachsen ist. Denn aus der Welterbe-Konvention ergibt sich die Verpflichtung, das Weltkulturerbe zu schützen und zu bewahren. Mit den Gerichtsverfahren soll auch geklärt werden, wie dieser Anspruch im deutschen Gesetz abgesichert ist.

Unesco: Brücke verschandelt Landschaft

Das zuständige Unesco-Komitee hatte die rund 20 Kilometer lange Flusslandschaft 2006 auf die Liste gefährdeter Stätten gesetzt und zur Suche nach alternativen Lösungen zur Brücke aufgefordert. Nach Ansicht der Unesco würde die Waldschlösschenbrücke das Panorama an der sensibelsten Stelle der Landschaft verschandeln. Die Brückenbefürworter erhoffen sich von einer neuen Flussquerung eine deutliche Entlastung des innerstädtischen Verkehrs.

Die nachträgliche Aberkennung des 2004 verliehenen Titels wäre ein bisher einmaliger Akt. Das Welterbe-Komitee der UN-Kulturorganisation will voraussichtlich auf der nächsten Tagung im Juni/Juli in Christchurch (Neuseeland) über die Zukunft des Titels für das Dresdner Elbtal befinden. (tso/dpa)

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