Waldschlößchenbrücke : Politiker fordern Baustopp

Verkehrsminister Thomas Jurk ist gegen einen Weiterbau der Dresdner Waldschlößchenbrücke. Er ruft die Beteiligten zu erneuten Verhandlungen auf. Auch Bundeskanzlerin Merkel wirbt für einen Kompromiss.

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Dresdner Waldschlößchenbrücke: Das Tauziehen geht weiter. -Foto: dpa

DresdenSachsens Verkehrsminister Thomas Jurk (SPD) warnt vor einem Weiterbau der umstrittenen Dresdner Waldschlößchenbrücke. Alle Beteiligten sollten innehalten und nicht durch Beton vollendete Tatsachen schaffen, sagte Jurk den "Dresdner Neuesten Nachrichten". Die Welt habe Dresden beim Wiederaufbau der Frauenkirche unterstützt. "Jetzt können wir der Welt unseren Respekt zeigen", fügte Jurk hinzu.

Alle Beteiligten sollten sich noch einmal an einen Tisch setzen, um nach einem Kompromiss zu suchen, der sowohl den Bürgerwillen nach einer Elbüberquerung als auch den Erhalt des Welterbes berücksichtige, sagte Jurk. "Die Stadt Dresden kann sich darauf verlassen, dass ich mich mit aller Kraft dafür einsetzen werde, eine welterbeverträgliche Elbquerung zu fördern", sagte er. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) habe dazu bereits finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

Noch 16 Klagen gegen Dresdner Brücke

Nach der Absage der ersten Gerichtsverhandlungen zur Waldschlößchenbrücke sind noch 16 weitere Klagen gegen das umstrittene Bauwerk anhängig. Wann es zu neuen mündlichen Verhandlungen kommt, steht noch nicht fest. Unklar sei auch, ob noch Gutachten im Zusammenhang mit der bedrohten Fledermausart Kleine Hufeisennase erforderlich seien. Drei Naturschutzverbände hatten die Belange dieses Tieres geltend gemacht. Andere Kläger befürchten Lärm- und Schadstoffbelastung als Folge des Verkehrs. Außerdem geht es um mögliche Grundstücksenteignungen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zu dem Thema geäußert. Über einen entsprechenden Antwortbrief der Kanzlerin an einen Dresdner Bürger berichtete die "Bild-Zeitung". "Eine Streichung des Dresdner Elbtals aus der Welterbeliste würde das Ansehen Deutschlands und das Verhältnis Deutschlands zur Unesco erheblich beeinträchtigen", schrieb das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung im Auftrag von Merkel. Der Brief ist auf der Internetseite www.direktzurkanzlerin.de veröffentlicht.

Der Bau der Brücke hatte im November begonnen. Die Unesco kündigte an, dem Dresdner Elbtal den Titel eines Weltkulturerbes zu entziehen, sollte die Brücke gebaut werden. Einen Tunnel würde sie dagegen akzeptieren. (sgo/ddp/dpa)

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