Waldschlösschenbrücke : Regierung wittert "Verhinderungskreuzzug"

Dem Regierungspräsidium Dresden ist die Unesco im Streit um die geplante Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal zu voreilig. Die Brücke müsse erstmal gebaut werden, bevor über eine Aberkennung des Welterbetitels entschieden werden kann, sagte der Regierungspräsident.

DresdenIm Streit um die geplante Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal hat das Regierungspräsidium Dresden erneut die Unesco kritisiert. Erst wenn die Brücke gebaut sei, könne die Weltkulturorganisation über eine Aberkennung des Welterbetitels für das Elbtal entscheiden, schrieb der Chef des Regierungspräsidiums, Henry Hasenpflug (CDU), in einem Gastkommentar für die "Sächsische Zeitung".

Auch wenn sich die meisten Dresdner inzwischen gegen den Brückenbau aussprechen, bekräftigte Hasenpflug erneut das Vorhaben des Regierungspräsidiums, den Bürgerentscheid für den Bau der Brücke innerhalb der Bindefrist umzusetzen. Er werde darauf achten, dass dies nicht durch immer neue Scheinalternativen unterlaufen werde. Das Erhalten des Welterbetitels spielt in seiner Argumentation keine Rolle. Dabei hat sich ein Welterbetitel stets positiv auf Städte ausgewirkt. In Lübeck sind die Tourismuszahlen seit der Aufnahme der mittelalterlichen Altstadt in das Unesco-Welterbe gestiegen. Hasenplug konzentriert sich derweil auf Attacke und sagte, Gegner der Waldschlösschenbrücke führten einen Verhinderungskreuzzug und hätten die Unesco für sich instrumentalisiert. Die UN-Organisation habe mit ihrem Beschluss zur Waldschlösschenbrücke auf ihrer jüngsten Sitzung im neuseeländischen Christchurch weder einen Kompromiss vorgeschlagen noch die Hand ausgestreckt.

Das Unesco-Welterbekomitee hatte Ende Juni beschlossen, das Dresdner Elbtal vorerst auf der Roten Liste bedrohter Stätten zu lassen. Bis zum 1. Oktober sollen Alternativen zur bisherigen Planung vorgelegt werden. Andernfalls droht der rund 20 Kilometer langen Flusslandschaft die Aberkennung des 2004 verliehenen Titels. Wegen des 160 Millionen Euro-Projekts, das aus Sicht der UN- Kulturorganisation das Panorama verschandeln würde, wird sie seit 2006 als gefährdete Welterbestätte geführt. (mit dpa/ddp)

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