Kultur : Walser sucht neues Walsertal

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Martin Walser überlegt seinen Umzug nach Österreich. Die Antisemitismus-Debatte um seinen Roman „Tod eines Kritikers“wecke in ihm den Wunsch wegzugehen, sagte der am Bodensee lebende Autor der Wiener Zeitschrift „News“. „Vorarlberg ist ja nicht weit und ein schönes Land. Meine Vorfahren sind erst 1720 aus dem Großen Walsertal hierher gezogen.“ Mehr als die Kritik von Marcel Reich-Ranicki habe ihn sein bisheriger Freund Hellmuth Karasek mit der im Tagesspiegel erschienenen Kritik („Selbstmord eines renommierten Schriftstellers“) getroffen. „Wir kennen einander seit 40 Jahren. Wenn man liest, was er jetzt geschrieben hat, glaubt man nicht, dass man dableiben kann.“

Der Suhrkamp–Verlag will an diesem Mittwoch über die Veröffentlichung des Romans entscheiden. Da Verleger Siegfried Unseld krank ist, liegt die Entscheidung über das Buch formal bei Verlagsleiter Günter Berg, der sich jedoch mit der Verlagsleitung abstimme. Unseld-Ehefrau Ulla Berkéwicz werde die Entscheidung in jedem Fall mittragen, hieß es aus dem Verlag. Sie halte das Walser-Buch nicht für antisemitisch.

Reich-Ranicki hatte sich am Montag für eine Veröffentlichung ausgesprochen, allerdings nicht bei Suhrkamp. Auch das Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, erklärte, das Buch solle „selbstverständlich“ erscheinen, aber nicht beim angesehenen Suhrkamp Verlag. dpa

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