Kultur : Wandelkarte

Ein Stadtplan vermisst das literarische Berlin

Karen Allihn

„Berlin, du deutsche deutsche Frau / Ich bin dein Hochzeitsfreier / Ach, deine Hände sind so rauh / Von Kälte und von Feuer.“ Mit diesen Worten hat Wolf Biermann seine Wahlheimat besungen. Auch wenn er das literarische Berlin für „ein ziemlich unüberschaubares Feld“ hält, hat Michael Bienert eine Systematisierung gewagt. Das Ergebnis ist ein umfangreicher Wegweiser durch die literarische Topographie der Stadt. Zum neu aufgelegten, erweiterten Stadtplan „Literarisches Berlin“ gehört eine 80 Seiten starke Broschüre mit Lebensdaten und Kurzbiographien von 100 Poeten, Publizisten und Philosophen, die Berlin kürzer oder länger zu ihrem Lebensmittelpunkt oder zum Schauplatz ihrer Werke erkoren. In den Signaturen lässt sich Kästners Emil auf dem Nollendorfplatz ebenso nachspüren wie Döblins Franz Biberkopf am „Alex“. Kiloschwere Folianten braucht man dabei nun nicht mehr im Gepäck – der handliche Dichter- und Denker-Stadtplan reicht für die literarische Spurensuche völlig aus.

Michael Bienert : Literarisches Berlin. 2. erweitere Auflage, Verlag Jena 1800, Jena/Berlin 2004. 96 Seiten, 100 Abb.. Mit einem historischen Stadtplan von 1927. 12,80 Euro.

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