Kultur : Wandlungen eines Tischbeins

Alles steht mit allem in Verbindung: Grafik mit Malerei, Malerei mit Skulptur.Ein banales Objekt aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld macht Thomas Ankum zum Ausgangspunkt seiner Bilder und Radierungen: ein schematisiertes Tischbein.Der 1961 geborene Künstlers aus den Niederlanden entwickelt hieraus eine einfache, ebenso einprägsame wie eigenwillige Bildformel.Sie erweist sich als vielseitig wandelbar und eröffnet Ankum ein weites Spektrum an Möglichkeiten.

Meist interpretiert er die Form abstrakt, als flächige Farbraumsetzung mit klar umrissener Silhouette.Aber auch als plastischer, voluminöser Geometriekörper kommt sie zum Einsatz.Eingefaßt in geometrische Farbfelder und -streifen, erscheint die gemalte Basisform mal flächig, mal dreidimensional, auf einem Bild sogar wie aus schimmerndem Perlmutt modelliert.Selbst zu einem organischen, fleischlichen Wesen kann sie mutieren.Dabei erkundet Ankum vor allem die Materialität von Farbe.Transparente, irisierende Farbspektren wechseln mit hermetisch versiegelten Oberflächen.Mal weist die letzte Farbschicht Lochmuster auf, mal zeigt sie ein zerfließendes Punktraster.Reliefartige, geometrische Strukturen sind ebenso möglich wie die pastose Andeutung des Umrisses einer menschlichen Figur.Auf die antropomorphen Proportionen des Stuhlbeins antwortet sie wie ein Echo.Ankum geht es dabei nicht um das Abbilden eines Gegenstandes.Seine Bildformel ist für ihn Anlaß und Vorwand, Bilder zu schaffen.Bilder, bei denen es letztlich nur um eines geht: um die Malerei selbst (1250 DM bis 9500 DM).

Experimentierfreudig ist Ankum auch als Grafiker.Auf seinen Radierungen entwickelt er aus der Grundform des Tischbeins einen Linienfaden, der sich als verschlungene Arabeske übers Blatt schlängelt.Keck nennt er seine Serie "Von Dürer bis Polke bis Ankum".Auch sie steht im Zeichen der Verknüpfung stilistischer Gegensätze, aus der überraschend harmonische Kompositionen resultieren (bis 550 DM).Den lose geknüpften Faden unterschiedlichster Anregungen aus dem Alltag greift Ankum in der Skulptur erneut auf.Auch hier filtert er die abstrakte Essenz aus den Dingen.1994 erhielt er ein Stipendium des Europäischen Keramikzentrums in Den Bosch.Dort entstanden Plastiken, die auf den ersten Blick wie Metallskulpturen wirken: Silbern glänzt eine hantelähnlich gebogene Form mit kugelartigen Enden, Schraubengewinde und Lochmuster.Die Oberfläche einer aus Quadratgittern zusammengefügten Form erinnert an patinierte Bronze.Tatsächlich aber sind es Keramiken.Mit spezieller Glasur oder Bemalung versehen, versteht es Ankum, den Metallcharakter täuschend zu imitieren

Galerie Horst Dietrich, Giesebrechtstraße 19, bis 29.August; Mittwoch bis Freitag 15-19 Uhr, Sonnabend 11-13 Uhr.

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