Wangechi Mutu : Gefährlich schöne Göttinnen

Jung, schön, multikulturell - und noch viel mehr: Die Kenianerin Wangechi Mutu stellt unter dem Titel "My Dirty Little Heaven" ihre bildende Kunst in der Deutschen Guggenheim in Berlin aus.

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Intertwined, 2003
Intertwined, 2003Foto: © Wangechi Mutu and Susanne Vielmetter Los Angeles Projects

Sie ist jung, sie ist schön, und sie macht multikulturelle Kunst. Oberflächlich betrachtet, könnten dies für die Deutsche Bank die Gründe gewesen sein, Wangechi Mutu zur „Künstlerin des Jahres 2010“ zu wählen. Friedhelm Hütte, Chef der bildenden Kunst des Bankhauses, nennt als Argumente: „Internationalität, Diversität und die Verbindung von künstlerischen Fragestellungen mit gesellschaftlichen Themen“. Was auch immer den Ausschlag gab, die Deutsche Guggenheim zeigt nun die erste Einzelausstellung der 37-jährigen Kenianerin in Deutschland. In den USA, wo sie heute lebt, ist ihr Werk längst bekannt.

Unter dem Titel „My Dirty Little Heaven“ lässt Wangechi Mutu aus verschiedenen Materialien eine Landschaft entstehen, die an eine Barackensiedlung erinnert. Fenster und Wände werden mit Filz verkleidet sein; von der Decke hängen Flaschen, aus denen stark riechende Substanzen tropfen. Dazu zeigt die Künstlerin Collagen, Zeichnungen, Videos. Wangechi Mutu will damit ihre Erinnerung an das Berlin kurz nach der Wende heraufbeschwören, als sie als Schülerin die Stadt besuchte. Damals faszinierte sie das Nebeneinander von Arm und Reich, Überfluss und Entbehrung, vor allem die Sehnsucht nach Luxusartikeln im Ostteil der Stadt. Dieser Sinn für das Schöne, den hohen ästhetischen Reiz, prägt auch ihre Collagen aus Hochglanzmagazinen, Autozeitschriften, dem „National Geographic“. Doch sind sie immer auch ein bissiger Kommentar, denn ihre Gesichter und Figuren erinnern bei genauerem Hinsehen an gefährliche Göttinnen und Halbwesen.

Deutsche Guggenheim, Fr 30.4. bis Do 13.6., tägl. 10-20 Uhr, 4 €, erm. 3 €.

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