Kultur : War Mozart ein Stadtrat aus München?

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Vor fünf Wochen wurde in der Berliner Gemäldegalerie ein bislang unbekanntes MozartPortrait präsentiert. Die Reaktionen waren euphorisch. Doch jetzt behauptet Münchens Stadtarchivar Richard Bauer: dargestellt sei gar nicht Mozart. Rainer Michaelis, Oberkustos der Berliner Gemäldegalerie, wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Herr Michaelis, als große Sensation wurde das Mozart-Portrait in der Gemäldegalerie präsentiert. Und jetzt …

… soll das gar nicht Mozart sein, sondern ein Stadtrat Steiner aus München. Wir raufen uns die Haare.

Weil der Münchner Stadtarchivar Richard Bauer Recht hat?

Um Gottes Willen: Nein, seine Fakten sind ein Witz! Absoluter Blödsinn. Wir sind doch keine Laien. Wir haben das Bild geröntgt und untersucht. Es steht fest: Das Gemälde hat seinerzeit, also um 1790, der Münchner Johan Georg Edlinger gemalt. Wolfgang Seiller, …

… Nachfahre des Malers Edlinger, der das Gemälde im Januar präsentierte …

… hat fünf Jahre recherchiert. Von der Fachwelt wird das Gemälde anerkannt. Und jetzt kommt ein Münchner daher und meint: stimmt alles nicht. Unfug.

Stadtarchivar Bauer meint, Mozart habe damals kein Geld und wenig Zeit für ein Portrait gehabt.

Mozart hatte Geld, konnte damit aber nicht umgehen. Und selbst wenn: Edlinger war Hofmaler von Kurfürst Karl-Theodor, und der hat Mozart geschätzt. Und zur Zeit: Die Röntgenaufnahmen zeigen, dass das Gemälde aus einem Guss entstanden ist. Das war Sache von wenigen Stunden. Herr Bauer soll sich lieber mal das Gemälde anschauen, als eine absurde Ferndiagnose abzugeben.

Hat er das Bild gesehen?

Nein, er war nicht in Berlin. Wir haben ihn in den Neunzigerjahren so oft bei unseren Recherchen um Hilfe gebeten, da kam nie etwas zurück. Aber jetzt holt er fünf Wochen nach unserer Präsentation die vermeintlich großen Beweise raus.

Unterlagen sollen beweisen, dass es sich um den Münchner Stadtrat Joseph Anton Steiner handelt – für ihre Gemäldegalerie wäre es eine Blamage.

Eine Blamage wäre es nur, wenn Fakten präsentiert würden. Meinetwegen hat es um 1790 ein Münchner Ehepaar gegeben, das damals lebte und sich von Edlinger portraitieren ließ. Das Bild der Frau ist verschollen, niemand weiß, wie dieser Stadtrat aussehen soll – aber plötzlich exakt wie Mozart?! Ein Witz ist das.

Sie sind sich sicher?

Die Nasenhügel, die Augen, die Röntgenaufnahmen, die Zeit: alles passt. Bitte, alle Mozart-Experten sind sich einig – nur ein Münchner spricht vom Gegenteil. Der erklärt uns Preußen für dumm.

Das Gespräch führte André Görke.

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