Kultur : Warnruf

Glucksmann und Lévy: Georgien geht Europa an

Die EU, ein macht- und willenloses Gebilde „am Rande des Komas“? Mit gewohntem Furor haben sich gestern die französischen Philosophen André Glucksmann und Bernard-Henri Lévy in die Debatte über Russlands Vorgehen im Kaukasus eingeschaltet. Die EU müsse sich in der Auseinandersetzung klar gegen Moskau positionieren, schreiben Glucksmann und Lévy in einem Beitrag für die Tageszeitung „Libération“. Da der Kreml ohnehin „nie an die Existenz einer Europäischen Union geglaubt“ habe, könne er das Bündnis „gnadenlos manipulieren und zu gegenseitiger Lähmung führen“. Dem gelte es Widerstand zu leisten, fordern die Autoren: „Wenn die EU den Mut und die Klarheit findet, die Herausforderung anzunehmen, ist sie stark. Wenn nicht, ist sie tot.“

Die Intervention Russlands außerhalb seiner Landesgrenzen sei „eine Premiere seit der Invasion Afghanistans“, schreiben Glucksmann und Lévy weiter. Gorbatschow habe es nicht gewagt, Panzer ins Polen der Solidarnosc-Ära zu entsenden, Jelzin habe nicht in Jugoslawien interveniert, selbst Putin habe davon Abstand genommen, die Orangene Revolution in der Ukraine zu stoppen. Mit dem Einmarsch in Georgien gerate nun „alles ins Wanken“, schreiben die Autoren. „Es ist eine neue Welt mit neuen Regeln, die vor unseren Augen zu entstehen droht.“

Beide Philosophen, die in der Vergangenheit wiederholt vor einer Renaissance des russischen Großmachtdenkens gewarnt haben, fordern ernste Konsequenzen: „Mit welchem Recht ist dieses aggressive und böswillige Russland noch Mitglied der G 8? Warum sitzt es im Europarat, einer Institution, die der Verteidigung der Werte unseres Kontinents gewidmet ist? … Wenn der Kreml auf seiner kaukasischen Aggression beharrt, ist es dann nicht angemessen, dass die EU die gesamten Beziehungen zu ihrem großen Nachbarn überdenkt?“, fragen Glucksmann und Lévy. „Es ist Zeit, die Methode zu ändern.“ Tsp

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