Warpaint im Festsaal Kreuzberg : Abheben in Zeitlupe

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Abheben in Zeitlupe: Warpaint im Festsaal Kreuzberg
Ein schwarzes Monster winkt von der Bassdrum ins Publikum. Das freundlich- finstere Kerlchen ist eine passende Illustration des Sounds von Warpaint. Die vier jungen Frauen aus Los Angeles spielen einen zugleich verstörenden und beglückenden Mix aus Post-Punk, Art-Rock und Neo-Folk, wobei von letzterem bei ihrem Konzert im gut besuchten Festsaal Kreuzberg wenig zu hören ist. Deutlich kraftvoller und energetischer als auf ihrer EP „Exquisite Corpse“ und auf ihrer eben erschienen LP „The Fool“ geht die Band zu Werke. Auch an The XX, mit denen sie immer wieder verglichen wurde, erinnert hier nichts. An The Cure allerdings einiges. Warpaint beherrschen die Kunst, einen Song für zwei Minuten durch ein Lärmgewitter zu führen, um ihn dann wieder ganz sanft in einen strahlend blauen Himmel zu lenken. Wie das Quartett in Zeitlupe abhebt und etwa dem Hit „Undertow“ in der Mitte noch einmal eine ganz neue Wendung gibt, ist faszinierend. Emily Kokal und Theresa Wayman umgarnen sich mit ihren filigranen Gitarrenpickings und teilen sich meist den Gesang. Leider liegt so viel Hall auf den Mikros, dass ihre Stimmen nie in ihrer ganzen Klarheit zu erkennen sind. Der Spannung, die die Band aufbaut, tut das aber keinen Abbruch, was auch an der phänomenal aufspielenden Rhythmussektion liegt. Bassistin Jenny Lee Lindberg steht in der Bühnenmitte und treibt das Set zusammen mit Schlagzeugerin Stella Mozgawa aus jedem Tal wieder in die Höhe. Von diesen vier Damen werden wir hoffentlich noch einiges hören. Nadine Lange

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