Kultur : Warte, bis es heller wird

In „Tränen der Sonne“ geht Bruce Willis als Rambo nach Afrika

Frank Noack

Über Tote soll man nicht schlecht reden, und dieser Film ist an den US-Kinokassen einen schnellen, leisen Tod gestorben. 75 Millionen Dollar hat er gekostet, weitere 30 Millionen wurden für Nachbearbeitung und Promotion ausgegeben; das Einspielergebnis liegt bislang dennoch unter 45 Millionen Dollar. Und da Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) eine Hymne auf die Weltpolizei Amerika singt, dürften die Chancen im alten Europa noch schlechter stehen.

Vielleicht sind zu viel Patriotismus und Militarismus ja doch Kassengift. Das gilt nicht nur für „Tränen der Sonne“: Bereits im vergangenen Jahr sind gleich zwei – packendere – Kriegsfilme gefloppt, John Woos „Windtalkers“ und Randall Wallaces „Wir waren Helden“. Diesmal ist der Unterhaltungswert dermaßen gering, dass es sich erst gar nicht lohnt, die Ideologie zu verurteilen. Es gibt einen rasanten Einstieg: Chaos und Ordnung werden gegenübergestellt. Für das Chaos sorgen nigerianische Rebellen, die hemmungslos plündern und morden; für die Ordnung sorgen die Amerikaner.

Lieutenant Waters (Bruce Willis) und seine Navy-Seal-Eliteeinheit werden beauftragt, die Ärztin Lena Kendricks (Monica Bellucci) aus einem Missionskrankenhaus mitten im Dschungel ins sichere Kamerun zu bringen. Die Frau ist schnell gefunden, weigert sich jedoch, ohne ihre 70 Patienten zu gehen. Geflohen wird bei Nacht. Eine Viertel- bis halbe Stunde ist es dunkel auf der Leinwand. Davon erholt sich der Film nie wieder. Als es hell wird, sorgen die depressiven Hauptfiguren für schlechte Stimmung.

Warum ließ man nicht die wunderbar fehlbesetzte Monica Bellucci mit greller Schminke und durchsichtiger Bluse durch den Dschungel staksen?. Stattdessen hat der Maskenbildner Augenringe und Akne auf ihr schönes Gesicht gemalt. Bellucci soll offenbar nicht die Nachfolge von Sophia Loren, sondern von Anna Magnani antreten. Dazu fehlt ihr aber die Kraft. Derweil bereitet sich Bruce Willis auf eine Karriere in Zombie-Filmen vor. Eine Liebesgeschichte zwischen Rambo und der Ärztin ist da nicht drin.

Am Ende ruft eine Nigerianerin dem weißen Retter zu: „Wir lieben euch alle. Gott ist mit euch.“ Fuqua ist selbst schwarz.Unterseiner Regie werden schwarze Rebellen von überwiegend weißen US-Soldaten erschossen. Vielleicht hat er „Tränen der Sonne“ ja absichtlich so finster und freudlos inszeniert: ein Sabotageakt.

In 18 Berliner Kinos, OV im Cinemaxx Potsdamer Platz und CineStar Sony-Center

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