Kultur : Warum Alsterwasser?

HORLEMANN: Das trinke ich sonst nie. Im Grunde genommen ein sehr ekliges Getränk. Aber bei der Hitze ist es erfrischend.PETZ: Und es geht nicht so in die Bimmel. Ich trinke nämlich gar keinen Alkohol.KRUHL: Bei mir im Glas ist Apfelschorle. Ich hab mir das nur in einem Bierglas bringen lassen, damit es einheitlich aussieht. Wie kamen Sie auf den sperrigen Titel "Über Samenspender und andere R-Güsse"? HORLEMANN: Mich rief mal ein Veranstalter an. Der wollte einen provozierenden Titel, damit die Show auf jeden Fall ein Erfolg wird. Brechend voll sollte der Saal sein. Wir müssen ja auch marktwirtschaftlich denken. Den Titel fanden wir sehr treffend...PETZ: ...für unsere Gedanken. Über Männer.KRUHL: Samenspender für unsere Gedanken?PETZ: Nein. Ergüsse. R-Güsse! Verstehst du?KRUHL: Nein. Abgesehen von den neuen Texten: Hat sich mit dem 2. Teil das Konzept geändert? HORLEMANN: Wir mußten ein bißchen was ändern, weil wir mit Annette Kruhl ja eine neue dritte Frau auf der Bühne haben. Aber grundsätzlich singen und plaudern wieder drei unglaublich nette Darstellerinnen in der Hauptsache über Männer.PETZ: Das gibt natürlich eine total erotisch-trashige Spannung...KRUHL: Wir singen dreistimmig, und wir haben alle ein ganz besonderes Verhältnis zu unserem Pianisten Oliver.HORLEMANN: Oliver steht nämlich auf mich.PETZ: Auf mich aber auch. Ich muß ihn nur erst überreden. Ich bin so dermaßen verschossen, also, da gibt es überhaupt keine Worte mehr für.KRUHL: Ich finde ihn in Ordnung. Aber mein Hauptinteresse ist, daß Oliver vom Flügel verschwindet, damit ich endlich rankann. Stört Sie eigentlich die Kategorisierung, der Sie immer unterworfen werden: Die unnahbare Schöne trifft die dralle Putte und das rothaarige Energiebündel? PETZ: Ich möchte davon weg. Mich hat man mal beschrieben als hoppelndes Pummel-Girlie mit Opernambitionen. Dabei bin ich total schön und gewitzt. Und viele wissen gar nicht, was eine Putte ist.HORLEMANN: Die denken Pute.KRUHL: Man hat mich eine männerfeindliche Emanze genannt. Ich glaube, Journalisten brauchen sowas. In letzter Zeit tun sich Diseusen häufiger zu gemeinsamen Programmen zusammen. Haben Sängerinnen denn keine Lust mehr, mit dramatischem Gesichtsausdruck und kleinem Schwarzen in der Klaviereinbuchtung zu lehnen? PETZ: Ich mag diese klassische Pose der Diseuse tatsächlich nicht. Deshalb habe ich mir geschworen, mich niemals in diese Einbuchtung zu stellen. Ich mach stattdessen alles mögliche mit dem Klavier. Ich leg mich drauf. Oder ich lecke es ab.HORLEMANN: Ich stell mich da schon rein. Wenn es nicht das einzige bleibt, was ich bei meinem Auftritt zu tun habe.KRUHL: Ich stand da, glaube ich, noch nie. Das liegt aber daran, daß ich mich normalerweise selbst begleite. Haben wir dir eigentlich schon erzählt, daß wir alle Instrumente spielen können? Mehrere sogar?PETZ: Allerdings nicht gleichzeitig. Dafür tanzen wir auf der Bühne. In extrem ausgeklügelten Choreographien! Bei drei jungen Frauen, die über Männer und Sex singen, kommt man an einer Frage nicht vorbei: Haben Sie Groupies? ALLE: Na klar!HORLEMANN: Aber meine Adresse kriegt keiner raus. Ich steh nicht im Telefonbuch. Gottseidank, sonst wär die Hölle los vor meiner Tür.PETZ: Manchmal stört das auch. Wenn nach der Show drei gleichzeitig wollen. Da kann man sich nicht mal in Ruhe abschminken.HORLEMANN: Man mag sie ja auch nicht vergraulen. Sie sollen ja wiederkommen und Eintritt zahlen.PETZ: Zu Annette kommen sie eben nicht. Die hat ein Kind.KRUHL: Das ist auch dabei rausgekommen.

"Über Samenspender und andere R-Güsse, Teil 2" läuft von heute bis zum 1. August in der Ufa-Fabrik, 20 Uhr. Interview: Knud Kohr

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