Kultur : Was alles fehlt

SACHBUCH

Wolfgang G. Schwanitz

Auf den ersten Blick mag man erwarten, dass Bernard Lewis , der Nestor der anglo-amerikanischen Islam-Forschung, in „ Der Untergang des Morgenlandes - Warum die islamische Welt ihre Vormacht verlor “ (Gustav Lübbe Verlag, 256 S,. 19,90 €) den Anschlag vom 11. September erörtert. Doch das Buch war schon im Druck, als die Twin Towers fielen. Der Princeton-Professor geht der Frage nach, was im Nahen und Mittleren Osten falsch gelaufen ist. What went wrong: So lautet der Originaltitel. In einer Lesung wurde Lewis gefragt, warum er nicht Kemal Atatürk und die Türkei ins Zentrum gerückt habe. Die Antwort: Weil es nicht darum gehe, was richtig gelaufen sei. Wer eine griffige Formel erwartet, welche Faktoren Nah- und Mittelost aus einem blühenden Zentrum der Zivilisation zum heutigen Schlusslicht in der Welt gemacht haben, der sucht hier vergeblich. Die Antworten müssen die Menschen in den Regionen selbst finden. Auch eine Replik auf Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“ wird man nicht finden. Lewis und Spengler verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser. Lewis sucht anders als der Apokalyptiker Spengler seinen Stoff an den Quellen der Geschichte und in vielen Sprachen. Lange beschuldigten Araber äußere Mächte: Mongolen, Osmanen, Europäer, Amerikaner, Israelis. Wer aber vom „Wer hat uns das angetan?“ zum „Wie machen wir es besser?“ übergeht, so meint Lewis, findet seinen Weg in die Moderne. Es liegt in Nah- und Mittelost, nicht ein Symbol für Selbstmordbomber, sondern ein zivilisatorisches Zentrum zu werden.

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