Kultur : Was die Bilder verschweigen

KNUT EBELING

Birgit Kleber im "Treffpunkt nbk"/ 100.Jour fixeVON KNUT EBELINGEs gibt nicht viele Orte in der Stadt, an denen über Kunst gesprochen wird - das heißt: an denen das Gespräch über Kunst nicht nur Anhängsel einer Ausstellung ist, sondern die Ausstellung umgekehrt als Anlaß für ein Gespräch ernstgenommen wird.Und es gibt noch weniger Orte, an denen dieses Gespräch nicht abbricht.Im Neuen Berliner Kunstverein in der Chausseestraße gibt es so einen Ort, zwischen Gesprächskreis und Salon, Volkshochschule und Vernissage.Er nennt sich "Treffpunkt nbk" und findet an jedem Mittwoch um 19 Uhr statt: Das kann man sich merken. Diesen Termin sollte man sich auch merken, denn in diesem Forum finden, seit NBK-Chef Alexander Tolnay das Haus 1995 übernahm, Vorträge, Künstlergespräche und Aktionen aller Art statt.Event möchte man diese beschaulichen, aber ergiebigen Veranstaltungen gar nicht nennen.Denn im Unterschied zu vielen anderen Besucherfallen des Kunstbetriebes sind hier Teilnahme und Kommunikation gefragt - was in den meisten Fällen tatsächlich funktioniert.Hier ist Austausch nicht nur ein Wort.Die nicht immer große, aber interessierte Besucherschar ist stets aktiv beteiligt, denn hier bekommt sie den Text zur Kunst und das Leben zum Werk.Beim "Treffpunkt nbk" kommt zur Sprache, was die Ausstellung verschweigt.Dabei sind es weniger die großen Namen des Kunstbetriebes, die sich ein Stelldichein geben.Alexander Tolnay interessiert sich eher für den Künstler in der Eckkneipe als für den letzten Heuler des internationalen Kunstdiskurses."Der Künstler steht im Vordergrund", sagt er mit Nachdruck. Zum 100.Jour fixe in nur drei Jahren stand nun die Fotografin Birgit Kleber im Vordergrund.Die Senatsstipendiatin und Tagesspiegel- Porträtistin hatte eine Tasche voll Dias aus Rußland mitgebracht - vielmehr eine schmale Handtasche, denn der Aufenthalt im fernen Osten war hart und die Ernte spärlich.Ganze sechs großformatige Fotos hängen an der Wand des nbk; sechs Bahnhöfe, verwischt, überblendet und magisch.Nun gut, würde man in einer Ausstellung denken, das ist Rußland, so sind seine Bahnhöfe.Doch beim "Treffpunkt nbk" gibt es das Leben zum Werk: Und so erzählt Birgit Kleber ziemlich trocken davon, wie scheußlich sie Moskau fand, wie sie auf der Suche nach Dunkelkammer und Wohnung in den noch ferneren Osten flüchtete,schließlich beides kombiniert in der Transsibirischen Eisenbahn fand, wo sie Rußland auf 60 Stops in 15 Tagen und Nächten aus der Bahnsteigperspektive kennenlernte, mit aufgerissener Blende und manuellem Verschluß.Bis 40 habe sie manchmal gezählt, sagt Birgit Kleber.Was ihre Bilder verschweigen. Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestraße 128-129, bis 5.Mai; Dienstag, Donnerstag 14-21 Uhr, Mittwoch, Freitag 12-17 Uhr.Nächste Termine "Treffpunkt nbk": Kathrin Becker "Zur aktuellen Kunstentwicklung in Rußland" (15.4.); Neuerwerbungen Artothek 1997 (22.5.); Monique Thomaes (29.4.).

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