Kultur : "Was Frauen wollen": Wer zu viel hören will, muss fühlen

Simone Mahrenholz

Hollywood inszeniert im Moment seine Lebensphilosophie gern als modernes Märchen mit dem "possible-world"-Argument: Stell dir eine Zwillingswelt vor, in der alles haargenau so ist wie in unserer - nur, dass ... Zum Beispiel, dass du als gepflegter Macho in Chicago lebst und alles so ist wie üblich. Nur: dass du eines Tages hören kannst, was Frauen denken.

Nick Marshall (Mel Gibson) ist ein zufriedener Womanizer in einer Werbeagentur, und seine Beförderung steht bevor. Bis eines Tages plötzlich eine Frau den sicher geglaubten Job kriegt. Darcy McGuire (Helen Hunt) als energetische, kühle Blondine will den Laden auf Vordermann bringen, indem sie die weibliche Zielgruppe neu definiert.

Ihr erster, perfekter Auftritt frustriert den Düpierten maßlos. Jeder Mitarbeiter bekommt ein Set Frauenartikel, für die er bis zum nächsten Morgen eine Werbekampagne entwickeln soll. Wettbewerb! Genervt befragt Nick erst eine Flasche Bordeaux, dann geht er an die Recherche - im Selbstversuch. Im Badezimmer hantiert er mit angewandtem Nagellack, Push-Up, Lippenstift und Nylons, als unerwartet seine Tochter eintritt. Nick fällt vor Schreck der Fön ins Badewasser. Als er wieder zu sich kommt, kann er die Gedanken von Frauen in seiner Umgebung hören.

Das merkt er erst sehr allmählich, mit Realismus wird hier nicht gegeizt. Der Geschockte erfährt plötzlich, was jene Damen von ihm denken, die seinem jovialen Gebaren allmorgendlich mit strahlendem Lächeln begegnen. Andererseits kann er nun die störende neue Chefin mental anzapfen. Wann immer die in seiner Nähe einen kreativen Gedanken hat, spricht er ihn als erster aus und erntet die Meriten. Klar, dass sich da erotische, aber auch kollegiale Konfusionen anbahnen. Und was passiert wohl, wenn ein Mann mit derartigen Fähigkeiten mit einer Frau ins Bett geht? Hier sehr erheiternd mit Marisa Tomei umgesetzt.

Die Regisseurin und Produzentin Nancy Myers hat ihr Material intelligent organisiert. Die Geschichte wird nie zu reinem Klamauk, obwohl Gibson als Besetzung hart an der Grenze zum B-Movie ist. Neben aller Komik wartet das Drehbuch (Josh Goldsmith, Cathy Yuspa) auch mit subtilen Einfällen und differenzierten Nebenfiguren auf. Und Nicks Feldforschungen zeitigen durchaus einige treffende Einsichten. Nur ganz am Schluss laufen die Fäden nicht mehr auf dem ursprünglichen Niveau zusammen, doch zu diesem Zeitpunkt ist man in Sachen Unterhaltung und Einsicht zu Mann und Frau bereits ganz gesättigt.



0 Kommentare

Neuester Kommentar